Schultze mit tz

5000 mm Wassersäule, braucht die einer?

5000 mm Wassersäule, braucht die einer?

Die Outdoorspezialisten werden jetzt lächeln, weil für die muss man so etwas nicht erklären. Für alle anderen hier nun eine kurze Zusammenfassung:

Oft steht an Jacken wasserabweisend. Entweder ist die nur imprägniert, das müsste aber irgendwann wiederholt werden, oder das Obermaterial lässt kein Wasser durch. Nur das bezieht die Nähte nicht mit ein. Sie können sich sicherlich vorstellen, dass bei längerem Regen gerade durch die Nähte Wasser eintreten kann. Und nach stundenlangem Regenspaziergang kann das schon eine Menge sein. Die müssen also zusätzlich verschweißt werden, damit es keine Probleme gibt.

Für viele Kunden, die den Regen sowieso scheuen und dann entweder nicht rausgehen, oder einen Schirm dabei haben, ist das egal.

Nur bei langen Wanderungen oder einfach nur einem Extremplatzregen will man doch dennoch trocken nach Hause kommen. Wer hat denn schon Kleidung zum Wechseln dabei, oder will sich pitschnass eine Erkältung holen.

Eine der Binsenweisheiten besagt: „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Bekleidung. Der Spruch ist wohl wahr. Dadurch haben sich viele Ausrüstungen mittlerweile auch für „tz  Normalverbraucher“ etabliert. Denn was für den Extremsportler richtig ist, kann für den normalen Spaziergänger ja nicht schlecht sein.

Aber woher weiß man, wo der Unterschied liegt zwischen guter und schlechter Regenbekleidung? Da kommt dann die Sache mit den z.B. 5000 mm Wassersäule zur Geltung.

Wie sie selber sicherlich schon einmal gemerkt haben, ist stundenlanger Nieselregen nicht schlimm. Regen in Verbindung mit Sturm aber wohl doch. Also muss der Druck der Nässe wohl zusammenhängen mit der Durchlässigkeit von Stoff. Und darum hat man den Ausdruck „in mm Wassersäule“ kreiert. Man misst, in welcher Zeit, bei konstantem Druck drei Wassertropfen durch den Stoff gelangen. Um das ganze aber für den Laien griffiger zu machen, gibt man nicht die Zeit an, sondern den Druck, den man braucht.

Sie müssen sich das wie folgt vorstellen:

Man spannt 10cm² des  Stoffs unter einer Messzylindersäule auf. Der Zylinder wird anschließend mit Wasser gefüllt. Nun wird so viel Wasser in den Zylinder gegossen, dass der Druck auf den Stoff in der Säule pro Sekunde um 10 Millimeter steigt. Anschließend wird die Zeit gemessen, bis sich an der Rückseite des Stoffs der dritte Tropfen Wasser gebildet hat. Hätte sich nach zehn Sekunden beispielsweise der dritte Tropfen bereits gebildet, hätte der Stoff eine Dichtheit von 100 Millimeter Wassersäule.

Die europäische Norm besagt, dass Stoff ab 800 mm Wassersäule wasserdicht mit Klasse 2 ist und ab 1300 mm Wassersäule mit Klasse 3. Ab 1300 mm macht man also nichts falsch.

Abhängig ist das aber auch davon, was Sie machen. Wenn ein Rucksack auf die von außen nasse Jacke drückt, kommt die Feuchtigkeit eher durch, als wenn Sie nur so rumstehen. Wenn Sie mit ganzem Gewicht auf nassem Boden sitzen natürlich auch. Beim Sitzen auf feuchtem Untergrund ist man schon schnell bei 2000 mm Wassersäule., immer abhängig davon, wie schwer man ist.

Sie merken schon, der Wert ist ein wenig fließend. Ältere Jacken verlieren ein wenig durch den Gebrauch. Meist ist dann die zusätzliche äußere Imprägnierung auch schon mal weg, die dafür sorgt, dass das Wasser gar nicht erst in den Oberstoff zieht. Daher ist bei der Wassersäule mehr natürlich auch besser.

Aber mit 5000 mm wie bei einer unserer Jacken ist man schon auf der richtigen Seite.

Nun fragen Sie mich aber nicht, wo ich einen 5 Meter hohen Messzylinder für unsere Jacke her habe. Ich habe das nicht nachgeprüft, sondern glaube dem Hersteller.

Mehr ist wahrscheinlich auch gar nicht zweckmäßig, dann wäre die Jacke so dicht, dass auch Schweiß nicht mehr nach außen transportiert wird und die Atmungsaktivität nicht gegeben ist. Und das will man doch schließlich auch nicht, denn ob von außen oder von innen nass, ist dann schon egal.

Daher nichts übertreiben. Das wäre so meine kurze Erklärung, wahrscheinlich kann man eine Doktorarbeit darüber schreiben, doch dieser Artikel wollte kurz und verständlich klar machen, worauf man achten muss.

Noch einen kleinen Regenwitz an dieser Stelle, den ich von einem Kunden bekam. Allerdings habe ich den nach einem Kommentar in 2022 etwas umgeschrieben, um mir nicht ohne Grund Frauenfeindlichkeit vorwerfen zu lassen und zugleich zu zeigen, wozu Überempfindlichkeit absurderweise führt:
Es regnet seit Tagen. Mein(e) Frau, Mann, Divers ist deprimiert und guckt ständig durchs Fenster.
Ich fürchte, wenn es weiter regnet, muss ich sie, ihn, es reinlassen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. In diesem Sinne.

8 Kommentare zu “5000 mm Wassersäule, braucht die einer?

    1. admin Autor des Beitrags

      Vielen Dank für das Lob! Bin leider erst Heute dazu gekommen Ihren Kommentar freizuschalten. Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit und ein unter den momentanen Umständen schönes Weihnachtsfest.
      Gruß Frank Schultze

    1. admin Autor des Beitrags

      Hallo Claudia, vielen Dank für Ihr Lob. Freut mich, wenn Ihnen die Seite gefallen hat. Gruß Frank Schultze

  1. Ingrid Biermann

    Hallo Schulze mit „tz“. Deine Erklärung finde ich einleuchtend. Nur der Witz ist frauenfeindlich. Ich warte auf Zeiten, in denen es gang und gäbe ist, Frauen oder Männer nicht zu verunglimpfen.

    Gruß Ingrid

  2. admin Autor des Beitrags

    Hallo Ingrid Biermann, ich möchte Ihren Kommentar nicht unveröffentlicht lassen, aber genauso auch darauf antworten.

    Wenn der Witz von einer Frau käme und einen Mann als Inhalt hätte, würde ich dennoch nicht das Gefühl haben verunglimpft zu werden. Sie schreiben, Sie warten auf Zeiten in denen es gang und gäbe ist, „Frauen und Männer“ nicht zu verunglimpfen.
    Ich glaube kaum, dass Humor oder dieser kleine Witz irgendjemanden verunglimpfen will. Ein Türke (Kaya Yanar) erzählt Türkenwitze, der darf das, die Comedian Carolin Kebekus beginnt auf ihrer eigenen Homepage mit „Liebste Pussies“, die darf das, Übrigens kenne ich sogar Blondinen, die mir ungefragt Blondinenwitze erzählen und selber am lautesten darüber lachen.
    Warum ich das hier so ausführlich schreibe?

    Mein Wunsch ist, dass wir nicht in allem das Haar in der Suppe suchen, nicht immer glauben es müsste etwas schlechtes damit gemeint sein und wir nicht alles gendern müssen, nur um es jedem Recht zu machen. Wie absurd das Ergebnis ist, sehen Sie an dem oben veränderten Witz. Das Einzige, was der Witz wollte war, dass ihn einer lustig findet und darüber lacht. Das Leben ist doch viel zu Ernst, um immer nur nach Schlechtem zu suchen.

    Ich nehme es doch auch hin, geduzt zu werden, obwohl ich vielleicht noch zu einer Generation gehöre, die das „Du“ als etwas Besonderes ansieht und es erst anbietet, wenn man sich näher kennt.

    Gruß und vielen Dank, dass Sie bis hierhin gelesen haben, aber mir lag diese Richtigstellung am Herzen, weil ich mit dem obigen Witz so überhaupt keine Hintergedanken hatte.
    Frank Schultze

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