Durch Berlin habe ich ja schon eine Schiffstour beschrieben, die wir 2018 gemacht haben. Nun in 2024 wollte wir eine andere Schifffahrt machen und suchten uns die
7-Seen-Tour ab Wannsee aus. Die Schifffahrtsgesellschaft Stern schreibt wie folgt:
„Die etwa 2-stündige Fahrt führt durch eine malerische Naturkulisse und an zahlreichen bekannten, sowie weniger bekannten Kleinoden entlang der Ufer vorbei.
HIGHLIGHTS: 7 Seen: Kleiner Wannsee • Pohlesee • Stölpchensee • Griebnitzsee • Glienicker Lake • Jungfernsee • Großer Wannsee”
Erst dachten wir, da hätte jemand einen Plastikvogel als Deko hingestellt. Doch dann bewegte er sich. Das ist wohl ein Graureiher, die typisch in Nähe von seichten Süßwasser-Gewässern sind. Fische, Frösche und Amphibien sind die besten Freunde der Vögel. Na ja, oder so ähnlich.
Das ist schon der Pohlesee. Vor der Anlage der ab 1869 durch den Bankier Wilhelm Conrad realisierten Villenkolonie „Alsen“ trug der Pohlesee zusammen mit dem Kleinen Wannsee den Namen Stolper Loch – nach dem westlich gelegenen Dorf Stolpe. Da dieser Name wenig repräsentativ war, wurde der See umbenannt und dabei begrifflich an seiner schmalsten Stelle, die von der Halbinsel Wehrhorn gebildet wird, geteilt. Der westliche Abschnitt erhielt den Namen Pohlesee, der nordöstliche den Namen Kleiner Wannsee.
Der Stölpchensee befindet sich im Süden des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf zwischen dem Pohlesee im Osten, mit dem er durch einen knapp 300 Meter langen Kanal verbunden ist, und dem Griebnitzsee im Süden, mit dem er durch einen 600 Meter langen Kanal verbunden ist.
Beide Kanalverbindungen werden auch noch mit dem ehemaligen Namen des Kanals Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal bezeichnet. Stolpe, der einstige Siedlungsschwerpunkt in Wannsee, befindet sich gleich am nördlichen Ufer des Sees.
Dort ist heute der Wilhelmplatz sowie die evangelische Kirche von 1859, von der man auch den Turm (Bild oben links) sehen kann. Direkt am See liegen das Restaurant-Pavillon Stölpchensee.
Wir sind jetzt im Griebnitzsee und das Haus rechts ist eine der Villen, die 1945 von den Vertretern der 3 Siegermächte genutzt wurden. Dies ist die Truman Villa. 17 Tage wohnte US-Präsident Harry S. Truman während der Potsdamer Konferenz 1945 hier, um mit Winston Churchill und Josef Stalin über die Neuordnung Europas zu verhandeln. Hier im Haus Erlenkamp, wie die Villa eigentlich heißt, wurden die Grundlagen des Marshall-Plans entwickelt und die Befehle für die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki gegeben. Die Parkbrücke am Nordwestende des Sees verbindet das südwestlich des Sees gelegene Neubabelsberg mit dem nördlich des Sees gelegeneren Potsdamer Stadtteil Klein Glienicke.
Im Bild links ist die Churchill-Villa, auch sie ist Teil der Villenkolonie Neubabelsberg in Potsdam. Die Villa wurde von 1915-1917 für den Bankier Franz Urbig erbaut. Sie liegt auch noch am Griebnitzsee. 1945 war sie Residenz des britischen Premierministers Winston Churchill.
Durch den Garten verlief früher der sogenannte Todesstreifen der Berliner Mauer. Heute ist die Villa im Besitz vom SAP Gründer Hasso Plattner.
Das rechts ist das Dampfmaschinenhaus im Park Babelsberg in Potsdam. Es wurde von 1843 bis 1845 von Rudolf Gottgetreu im neugotischen Stil erbaut. Es diente dazu, eine dampfmaschinengetriebene Pumpe zu betreiben, die für die Bewässerung des Parks und der Fontänenanlagen zuständig war. Und es gab sogar eine 40 Meter hohe Fontäne.
Das Jagdschloss Glienicke liegt im Berliner Ortsteil Wannsee, nahe der Glienicker Brücke und in Sichtweite der Schlösser Glienicke und Babelsberg. Das Jagdschloss Glienicke ist eines der ältesten Schlösser in der Umgebung. Es wurde 1682 als Nebenresidenz vom Großen Kurfürsten in Auftrag gegeben und kann auf eine mehr als 300-jährige Geschichte zurückblicken. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Jagdschloss von verschiedenen Besitzern immer wieder unterschiedlich genutzt.
Die Glienicker Brücke ist weltbekannt. Eine symbolträchtige Eisen-Stahlkonstruktion über die Havel. Vierzig Jahre lang lag der eine Teil der Glienicker Brücke im Westen und der andere im Osten Deutschlands. Eine weiße Linie markierte die Grenze. Bekannt wurde die „Brücke der Einheit“, wie sie damals hieß, vor allem als Schauplatz spektakulärer Agentenübergaben. Zwischen 1962 und 1986 wurden hier drei Mal insgesamt 40 hochrangige Spione und Militärs ausgetauscht. Doch die Glienicker Brücke ist viel mehr als nur eine ehemalige Agentenbrücke. Ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück – als Potsdam neben Berlin zur zweiten Residenzstadt der Hohenzollern wurde.
Um 1830 entwarf der Architekt Karl Friedrich Schinkel eine breitere Steinbrücke, die dem zunehmenden Verkehr gewachsen sein sollte. Doch schon 1907 musste der solide Zweckbau einer größeren und breiteren Stahlträgerkonstruktion weichen. Nach schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg begann 1947 der Wiederaufbau unter Verwendung der erhaltenen Teile.
Links ist das Schloss Babelsberg der ehemalige Sommersitz des deutschen Kaisers Wilhelm I. Es liegt im Park Babelsberg und wurde ab 1834 im Tudorstil erbaut, angelehnt an das englische Windsor Castle. Zunächst entstand 1834/35 nach Entwürfen des Architekten Karl Friedrich Schinkel der östliche Bereich mit Zimmern für Wilhelm und seine Gemahlin Augusta. Zwischen 1844 und 1849 wurde, nach Planung von Ludwig Persius, der westliche Schlosskomplex mit Festsälen und Räumen für die beiden Kinder des Prinzenpaares angebaut.
Nach dem Tod Wilhelms I. 1888 verlor das Schloss seine politische und kulturelle Bedeutung. Auf Anordnung der Justizabteilung der sowjetischen Militäradministration brachte das Land Brandenburg ab 1949 die Zentrale Richterschule im Schloss unter. Zwischen 2013 und 2016 sanierte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg die Fassaden und Terrassen des Schlosses. Seit 2019 werden die Innenräume instandgesetzt, um sie der Öffentlichkeit wieder als Museum zugänglich zu machen.
Die Große Neugierde ist eine als Teepavillon errichtete Rotunde mit Ausblick auf die Glienicker Brücke, den Jungfernsee und die Berliner Vorstadt von Potsdam. Die von Karl Friedrich Schinkel 1826 errichtete Große Neugierde ist namensgebend für den Typus der Neugierde, eines Pavillons oder Gartenhauses, aus dem heraus man alles sehen konnte, was draußen vor sich ging,
Die Große Neugierde liegt zwischen Park Klein-Glienicke im Osten und der Glienicker Brücke im Westen. Carl von Preußen erwarb 1824 ein Landgut auf der Insel Wannsee aus dem Nachlass des Fürsten Hardenberg, dessen Park er zunehmend erweiterte. Nach dem Bau der Glienicker Brücke 1834 erfolgte eine letzte Erweiterung bis an den Brückenkopf. 1835 ließ er sich dort nach Plänen des Architekten Karl Friedrich Schinkel einen Rundtempel mit 16 Säulen auf einem Sockelgeschoss errichten, der die Parkanlage zum Schloss Glienicke im heutigen Volkspark Glienicke abgrenzt. Die Aussichtsplattform wird bekrönt von einer Nachbildung des Lysikratesmonuments aus Griechenland.
Schloss Glienicke war das Sommerschloss des Prinzen Carl von Preußen. Die heutige klassizistische Form des ehemaligen Gutshauses aus dem Jahr 1753, mit dem Anspruch einer italienischen Villa, geht auf Umbauten und Erweiterungen zurück, die der Architekt Karl Friedrich Schinkel 1825 vornahm.
Nach dem Tod Prinz Carls 1883 verwahrloste das Gebäude zusehends. Während des Zweiten Weltkriegs erfolgte eine Fremdnutzung als Lazarett und danach kurzzeitig als Offizierskasino der Roten Armee. Ab den 1950er Jahren beherbergten Schloss und Nebengebäude ein Sporthotel, und ab 1976 eine Heimvolkshochschule. Seit Ende der 1980er Jahre wird das Schloss als Museum genutzt. Im Westflügel eröffnete zudem im April 2006 das erste Hofgärtnermuseum Europas, das die Geschichte der preußischen Hofgärtner zeigt.
Das ist die ev. Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe in Berlin Wannsee. Sie wurde zwischen 1834 und 1837 im Auftrag des König Friedrich Wilhelm III. erbaut. Der Zwiebelturm ist im russisch orthodoxen Stil gehalten. Sie ist nördlich des Glienicker Parks unmittelbar in Nähe der Pfaueninsel.
unten: Ein Haus für die dunklen Seiten in Deutschland. Das Haus der Wannsee-Konferenz widmet sich der Dokumentation der Wannsee-Konferenz und dem Völkermord an den Juden Europas.
Die Wannseekonferenz war eine geheime Besprechung am 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin. Fünfzehn hochrangige Vertreter der nationalsozialistischen Reichsregierung und der SS-Behörden kamen zusammen, um unter dem Vorsitz des SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich in seiner Funktion als Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS den begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu organisieren und die Zusammenarbeit der beteiligten Instanzen zu koordinieren. Es wurde die sogenannte „Endlösung“ diskutiert, nach welcher die Juden in Europa systematisch deportiert und ermordet wurden. Das Protokoll der Konferenz wurde von Adolf Eichmann, dem sogenannte Deportationsexperten im Reichssicherheitshauptamt erstellt.
Das ist die Liebermann Villa, die Sommerresidenz des Malers Max Liebermann. Max Liebermann erwarb das 7.000 Quadratmeter große Wassergrundstück in der Villenkolonie Alsen 1909. Er nutzte das Anwesen in der damals noch unberührten Seenlandschaft als Sommersitz. Den von Albert Brodersen gestalteten Garten wollte Liebermann zu einem Werk der neuen Gartenkunst des 20. Jahrhunderts machen. Heute ist es ein Museum.
Dann waren die zwei Stunden auch schon vorbei und wir konnten uns auf den nächsten Tag freuen, an dem wir den Dom besichtigen wollten.
Hier noch einmal der Link zu unserer Schiffsfahrt durch Berlin und zu unserer Gesamtausarbeitung Berlin.
