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Casa Battló

Casa Battló – das Haus der Magie

Im Rahmen unserer Kreuzfahrt im Februar 2026 kamen wir wieder nach Barcelona. Das Casa Mila hatten wir uns bereits einzige Zeit vorher angesehen. Daher war diesmal das Casa Battló dran.

Gott sei Dank hatte ich für Casa Batllo von der Auswahl Normal, Silber, Gold und Platin letztere gebucht, weil wir mit Platin alles ansehen durften. Außerdem waren das die einzigen Karten ohne Schlangestehen. Und das war bitter nötig. Wir durften mit Zeitfenster 10.15 Uhr zwar dennoch nicht um 9.15 Uhr rein, doch pünktlich konnten wir dann direkt durchgehen.

Und das, obwohl der Platz davor voll von Menschen war. So, jetzt erst einmal die Außenbilder, denn schließlich hatten wir eine Stunde Zeit.

Das Casa Batlló ist eines der interessantesten und faszinierendsten Bauwerke Barcelonas. In jedem Detail des Gebäudes ist die Handschrift Antoni Gaudís zu erkennen.

Er orientierte sich bei der Gestaltung ganz stark an der Natur und an der Legende des Heiligen Georg, des Schutzpatrons von Katalonien.

Kreuz auf dem Dach soll die Lanze des Heiligen Georg sein.

Sehr typisch für den Modernisme, den katalanischen Jugendstil, ist die Rückkehr zu natürlichen Elementen und Formen. So erinnern die sanft geschwungenen Balkone des Casa Batlló an die Wellen des Meeres. Die gesamte Fassade ist außerdem mit Blumen übersät.

Das Casa Batlló ist ein Umbau eines seit 1877 bestehenden Gebäudes. Es wurde 1904-1906 im Auftrag des Industriellen Josep Batlló von Grund auf verändert. Besonders im unteren Teil, der Beletage, ist Gaudís Handschrift überdeutlich. Von außen wie Knochen geformt, von Innen an einen Wald erinnernd, tragen die Säulen der Fassade einen wichtigen Teil zu der Gestalt des Gebäudes bei.

Wie es typisch für Gaudí ist, hat er sich bei der Gestaltung des Hauses an der Natur orientiert. Im Inneren dominieren geschwungene und organische Formen die Wände, Decken und auch die Einrichtung. Die Formen im ersten Stock des Wohngebäudes erinnern an Pflanzen und Höhlen, die Balkonbrüstungen an Schädelknochen. Die Kamine auf dem Dach dienen nicht etwa als Schornsteine, sondern sind Teil einer ausgeklügelten Lüftungsanlage, die das Haus auch im Sommer schön kühl hält, ohne eine Klimaanlage zu benötigen.

Das Dach des Casa Battló ist wie der Rücken des angsteinflößenden Drachen geformt und mit großen, glänzenden Schuppen versehen. Es besteht aus Fliesen auf doppelten Mansarden, die der organischen Architektur angepasst sind.

Zur Linken wird das Dach durch einen Turm mit einem vierarmigen Kreuz begrenzt. Mit ein bisschen Fantasie kann man hier die Lanze von Sant Jordi erkennen, die im Rücken des Ungeheuers steckt. Dahinter befinden sich plastisch geformte Lüftungsschächte und Schornsteine, die an Wächter des Hauses denken lassen. In den Fensteröffnungen kann man Säulen sehen, die den Formen von Knochen nachempfunden sind.

Der Dachbereich, als oberer Abschluss des Gebäudes, hatte für Gaudí immer schon einen besonderen Stellenwert.

Die Dachlandschaft des Casa Batlló bietet eine tolle Aussicht über die Stadt und ist mit unzähligen kleinen Details geschmückt. Blickt man zum Beispiel von der Terrasse aus durch das Loch im linken Teil des geschwungenen Daches, hat man eine direkte Sichtachse zur Sagrada Familia. An seinem Meisterwerk hat Gaudí zur Zeit der Umbauarbeiten bereits parallel gearbeitet. Bei all den Interpretationen der Details des Casa Batlló sollte man bedenken: Antoni Gaudí selbst hat das Haus nie erklärt. 

Es steht also jedem zu, die eigene Fantasie spielen zu lassen und sich eine eigene Geschichte auszudenken.

Das Casa Batlló befindet sich an einer der Hauptachsen des Modernisme. Ab ca. 1850 begann der Abriss der Stadtmauern der Ciutat Vella und ein neues modernes Stadtviertel, das Eixample, entstand. Der Passeig de Gràcia, der den Stadtteil in zwei Hälften teilt, wurde zur Flaniermeile und zum Schauplatz der prächtigsten Architektur dieser Zeit. Der Häuserblock um die Casa Batlló wird auch die „Illa de la Discòrdia“, zu Deutsch „Insel der Zwietracht“, genannt. An dieser Stelle haben sich die wichtigsten Architekten des Modernisme verwirklicht und versuchten, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Das Ergebnis waren unterschiedlichste Gebäude, die nun an dieser Häuserfront ein Ensemble bilden. Was alle eint ist, dass sie sehr extravagant sind und immer mit vielen Türmen ausgestattet sind. Ich gehe darauf noch auf meiner Hauptseite Barcelona ein.

Direkt links neben der Casa Batlló befindet sich die Casa Amatller, ebenfalls ein Prachtbeispiel des Modernisme. Entworfen wurde das Gebäude von dem katalanischen Architekten Josep Puig i Cadafalch. Beim nächsten Besuch werden wir das einmal besichtigen.

Doch nun war 10.15 Uhr und wir durften rein. Beim Durchqueren des Hauses überraschen einen die Details immer wieder. Die Türen der Stockwerke sind mit Buchstaben im modernistischen Stil gekennzeichnet. Die Fenster in jedem Stockwerk verzerren die Fliesen im Lichthof und verwandeln sie in schöne Wasserwellen. Die Türknäufe und Geländer haben ergonomische Formen… Alles sehr üppig gehalten: Design, Farbe, Form, Raum und Licht.

Schon überwältigend, doch das Überraschendste ist, dass alles immer der Funktionalität untergeordnet ist. Schönheit und Funktion vereinen sich in jedem Bereich des Gebäudes, vom Eingangsbereich bis zum Dach. Vom Gemeinschaftsflur im Erdgeschoss aus und durch ein modernistisches Gitter gelangt man in die private Eingangshalle der Familie Batlló, die erste Station der Besichtigung. Wir hatten einen Kopfhörer bekommen, damit uns jeder Raum auf deutsch erklärt werden konnte. Doch so richtig funktionierte das nicht, an der Funktionalität der Geräte kann man sicherlich noch arbeiten, vielleicht mit einer Automatik, wenn man den Raum betritt. Dieser erste Raum ruft eine Unterwasseratmosphäre hervor, die in die fantastische Welt von Jules Verne entführt, mit Oberlichtern, die Schildkrötenpanzer ähneln, gewölbten Wänden mit geschwungenen Formen und einer spektakulären Holztreppe. Ihr Handlauf, aus edlem Holz geschnitzt, stellt die Wirbelsäule eines großen Tieres dar.

Das Hauptgeschoss ist das Herz des Hauses, ein einzigartiges Wohnzimmer, das den Höhepunkt des Modernismus darstellt und uns erklärt, wie das wohlhabende Bürgertum der damaligen Zeit lebte.

Über die zwei Sitze in der Nische erzählt man sich, sie seien für ein Pärchen und dessen Anstandsdame bestimmt gewesen.

In diesem Stockwerk finden wir zunächst das Büro von Herrn Batlló und einen kuriosen Pilzförmigen Kamin. Es ist das „Arbeitskabinett“ von Josep Batlló. Danach gelangt man in das Hauptwohnzimmer des Hauses, wo das Highlight ein großes Fenster ist, das eine Tribüne mit Blick auf den Passeig de Gràcia bildet, ideal, um zu sehen und gesehen zu werden. Unter anderen Elementen fallen die großen Eichentüren mit organischen Formen auf, in denen Gaudí farbige Glasfenster integrierte, ebenso wie eine völlig wellenförmige Decke, die die Kraft des Meeres symbolisiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über dieser Hauptetage waren vier Stockwerke für Mietwohnungen vorgesehen, und ein fünfter Stock sollte Dachboden für Betriebs- und Lagerzwecke sein. Es handelt sich um einen Servicebereich für die Mieter des Hauses, also für Waschküchen und Lagerräume. Der Dachboden ist einer der einzigartigsten Räume, eine exquisite Kombination aus Ästhetik und Funktionalität. Er zeichnet sich durch die Schlichtheit seiner Formen, mediterrane Inspiration durch die Verwendung von Weiß und viel Licht aus. Eine Reihe von 60 Kettenbögen hebt sich hervor und schafft einen Raum, der an die Rippen eines Tieres erinnert.

Vom privaten Speisesaal der Familie Batlló, der sich im Inneren des Erdgeschosses befindet, gelangt man in einen exklusiven Hinterhof, eine kleine Oase mitten in der Stadt, die darauf ausgelegt ist, am Nachmittag genossen zu werden. Dieser Raum zeichnet sich durch seine Bodenbeläge und durch die mit Keramik und Glas bedeckten Pflanzkübel als wesentliches dekoratives Element aus.

Mit zunehmender Höhe wird die Farbintensität der Fliesen stärker, um das weniger starke Tageslicht im unteren Bereich auszugleichen.

Der Lichthof ist ein grundlegender Bestandteil des Hauses, da er die Luft und das Licht verteilt, das durch das Hauptoberlicht eintritt. Gaudí erweiterte den Lichthof (es gab einen, und er machte daraus zwei), um sicherzustellen, dass natürliches Licht in alle Räume des Hauses gelangt. Außerdem verkleidete er den Lichthof mit Fliesen in verschiedenen Blautönen (dunkler oben und heller unten), um eine gleichmäßige Lichtverteilung zu erreichen.

Nach derselben Logik sind die oberen Fenster kleiner, und je weiter man nach unten geht, desto größer werden sie (um mehr Licht hereinzulassen).

Der untere Teil der Fenster enthält Holzlamellen, die geöffnet oder geschlossen werden können, um die Belüftung zu steuern.

Im zentralen Bereich des Lichthofs installierte Gaudí den Aufzug, dessen wunderschöne Originalkabine aus Holz immer noch in Betrieb ist. Na, wenn Petra das gewusst hätte.

Auf dem Dach sticht das, was umgangssprachlich als Rücken des Drachen bekannt ist, hervor, was die Fassade prägt und das Gaudí mit Ziegeln in verschiedenen Farben darstellt.

Die wahren Protagonisten des Daches sind jedoch die vier Sätze von Schornsteinen mit geschwungenen und polychromen Formen, die so entworfen wurden, dass sie verhindern, dass die Luft wieder nach innen strömt.

Wieder einmal Schönheit und Funktionalität im schönsten und repräsentativsten Haus des katalanischen Modernismus.

Jetzt ist es an der Zeit, auf den Sinn des Drachen einzugehen:

Die Sankt Georgs-Legende

Es ranken sich viele Geschichten und Legenden um den Heiligen Georg beziehungsweise Sant Jordi, wie er auf Katalanisch heißt. Die Bekannteste handelt von einem furchtbaren Drachen, der ein kleines Dorf in Angst und Schrecken versetzt. Um das Ungeheuer gnädig zu stimmen, müssen die Dorfbewohner ihm regelmäßig ein Menschenopfer darbringen, welches durch das Los bestimmt wird. Eines Tages fällt das Los auf die Königstochter. Diese wird vor die Tore der Stadt geführt und wartet dort darauf, von dem Drachen verschlungen zu werden. In diesem Moment erscheint Sant Jordi, stellt sich dem Drachen entgegen und bezwingt ihn. Mit seiner Lanze in Form eines Kreuzes versetzt er dem Drachen den Todesstoß und rettet somit die Prinzessin. Genau an der Stelle, an der der Erdboden vom Blut des Drachen durchtränkt wird, wachsen rote Rosen. Dies ist übrigens auch der Ursprung einer Tradition, nach der die Frauen in Katalonien jeweils am Tag des Heiligen Georg – dem 23. April – rote Rosen geschenkt bekommen.

Sant Jordi ist Schutzpatron von Katalonien, deshalb haben Drachen bei Gaudí immer eine wichtige Rolle gespielt. Doch dann ist es an der Zeit, wieder nach unten zu gehen.

Hier sieht man Ketten als Abtrennung. Gerade Ketten waren ein gern genutztes Accessoires von Gaudi, damit hat er auch die Belastungsverhältnisse an der Sagrada Famila getestet.

Damit waren wir mit der Besichtigung durch. Es hat sich gelohnt, doch die Schlangen draußen waren noch länger geworden. Wir bummelten dann bis zur Rambla zurück. Wenn Sie Infos zu den Eintrittskarten usw. suchen, dann können Sie hier direkt auch online buchen. Achten Sie darauf, es gibt ein Zeitfenster und dass muss für den Eintritt auch ganz genau eingehalten werden. Das ist keine Schikane, sondern mit den vielen Besuchern wohl gar nicht anders möglich. Nervt zwar, wenn man zu früh ist, wahrscheinlich noch mehr, wenn man zu spät ist. Aber anders lässt sich das bei der Masse an Menschen wohl nicht darstellen. Wenn Sie unseren Beitrag zur Casa Mila sehen möchten, dann finden Sie den hier, Sagrada Famila hier oder Gesamtbarcelona hier. Ach ja, Park Guell haben wir ja auch noch, der ist hier zu finden.

 

 

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