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Dom St. Petrus

Dom St. Petrus

Ein imposantes Gebäude, auch wenn die Türme nicht so recht zusammenpassen. der rechte Turm ist der Südwestturm mit dem Glockengeläut

Schon vor dem Dom fand ich etwas Überraschendes. Direkt vor dem Eingang ist eine Gedenktafel in den Boden eingelassen. Weil ich kein Katholik bin stellte sich mir die Frage: „Wer war Dr. Franziskus Demann?“ Und warum liegen Sterbedatum 27.3.1957 und Bischofsweihe auf demselben Tag? Vielleicht eine Ehrung nach dem Tod, für besondere Leistungen. Also recherchierte ich im Internet und fand die interessante Geschichte dazu:

Demann wurde vom Domkapitel am 23.4.1956 zum Bischof von Osnabrück gewählt und sollte am 14.9.1956 geweiht werden. Kurz vorher erlitt er aber einen Herzinfarkt, so dass die Weihe auf den 27.3.1957 verlegt wurde. An dem Tag wurde er sogar von drei Bischöfen geweiht. Darunter sogar der Kölner Erzbischof Kardinal Frings. Am Domportal segnete Demann noch die wartenden Gläubigen und erlitt danach einen Herzschlag, an dem er verstarb. Er wurde im Dom in der Marienkapelle beigesetzt.

Modell des Doms

Nun möchte ich erst einen kleinen kleinen geschichtlichen Einblick zum Dom geben.

Der spätromanische Dom Sankt Petrus ist die Kathedralkirche des Bistums Osnabrück. Er ist aber eigentlich nicht der eine Dom, sondern derer drei. Eine Stadt wurde ja meist gegründet, indem man eine Kirche baute und sich dort dann nach und nach Menschen ansiedelten. So auch hier.

Die Petrus-Statue im Eingangsbereich des Osnabrücker Domes zeigt den ersten Papst mit den ihm zugeordneten Symbolen: Die Schlüssel für den Himmel, das Schaf, weil er sich wie ein Hirte um seine Gläubigen kümmert und den Hahn, weil er Jesus dreimal verleugnete, bis der erste Hahn morgens krähte.

Karl der Große gründete an einem alten Handelsweg an der Hase im Jahre 780 eine Missionsstation, das Bistum Osnabrück. Er wollte ein flächendeckendes Netz aus Missionszellen bauen, um den katholischen Glauben auch in Sachsen zu verbreiten. Meistens bestanden die Orte nur aus einer Kirche und einem Kloster. Diese erste Missionskirche an der Hase wurde vom Lütticher Bischof Agilfred eingeweiht, der erste Bischof war dann der friesische Missionar Wiho.

Wunderschönes Fenster

Im sächsischen Siedlungsgebiet ist Osnabrück nach Paderborn das zweitälteste Bistum. Wiho starb 805 n. Chr.. Ein Jahr vorher ist übrigens das wahrscheinliche Gründungsjahr des Vorgängers vom heutigen Gymnasium Carolinum.

Vierungsturm des Doms

Erst vor ein paar Jahren konnte von Archäologen das Entstehungsdatum eines Klosters für Anfang des 9. Jahrhunderts bewiesen werden. Man fand im Kreuzgang des Doms alte Mauerreste der Ecke eines Konventsgebäudes, die in der heutigen Wand des Kreuzgangssüdflügels erhalten ist. Man hatte also den Kreuzgang im 13. Jahrhundert auf den alten Wänden des ersten Klosters errichtet.

Tor mit sehr perspektivischer Sicht.

Die erste urkundliche Erwähnung des Osnabrücker Dombezirkes findet man im Jahr 851 n. Chr. in der „Monaterium Osnabrugga“.

Doch zurück zur Entstehungsgeschichte des Doms.

Leider hielt die erste Kirche nicht lange, sondern wurde 100 Jahre später, ca. 880 bis 884 n. Chr. von den Normannen zerstört.

Sie wurde wieder aufgebaut, erhielt 889 v. Chr. das Markt-, Münz- und Zollprivileg von Kaiser Arnulf von Kärnten, brannte aber im Jahre 1100 bis auf die Grundmauern nieder. Auf diese Grundmauern wurde dann zum dritten Mal eine Kirche gebaut.

Auf der 300 Jahre alten barocken Kanzel wurden früher die Predikten gehalten, damit sie auch alle hören konnten. Oben drüber, das ist der Schalldeckel, damit die Stimme nicht nach oben, sondern in den Raum getragen wird. Heute wird die Kanzel nicht mehr benutzt.

Diesmal mit einem kreuzförmigen Grundriss und einem mächtigen, achteckigen, romanischen Vierungsturm. Vierung nennt man das Quadrat, das beim kreuzförmigen Zusammentreffen des Haupt- und Querschiffes entsteht. Die jetzige Form erhielt der Dom aber erst zwischen 1218 und 1277.

Verzierungen der Kanzel

Der schlanke romanische Nordwestturm hatte einen Zwillingsturm, doch der wurde Ende 15. Jahrhundert, Anfang 16. Jahrhundert durch einen dicken spätgotischen Turm ersetzt. Besser gesagt, der wurde zwischen 1501 und 1543 in seinem Umfang verdoppelt, weil man einen höheren Helm aufsetzen wollte und die Statik das sonst nicht hergab. Und warum das?? Die Konkurrenz in Form von St. Katharinen war 1500 mit seinem Turm höher als der Dom geworden. Ne, das ging ja gar nicht. 1531 wurde dann das spätgotische Portal am Westbau gebaut.

Die Rosette an der Westfront wurde 1305 eingebaut

Von der Innenausstattung ist im Laufe der Jahrhunderte relativ wenig erhalten geblieben. Die Güldentafel zum Beispiel, ein Hochaltar aus Goldschmiedearbeiten wurde im Dreißigjährigen Krieg eingeschmolzen, um Münzen mit dem Abbild des schwedischen Königs daraus zu prägen.

Kreuz im Dom St. Peter

Triumphkreuz

Das mächtige geschnitzte Triumphkreuz ist aus dem Jahre 1230. Und dabei mit einer Größe von 6,80 mal 4,20 Metern wirklich gewaltig. Dargestellt wird der lebendige Jesu, sozusagen als Symbol für den Sieg über den Tod. Es ist ganz in rot und gold gehalten, den königlichen Farben. Damit sollte gezeigt werden, wie wichtig Jesus für uns ist. Jesus hat keine Dornenkrone und blutet ein wenig auf der rechten Seite. Dort hat ihn ein Soldat mit einer Lanze gestochen, um zu sehen, ob Jesus wirklich tot war. Ab 1892 wurde das Triumphkreuz in Teile erneuert. Das übernahm der Bildhauer Heinrich Seling, der so vieles im Dom restaurierte oder neu schuf. Er schnitzte neue Balkenenden und ergänzte Teile wie die Rundscheibe vorn und Zierleisten auf der Rückseite. Das Kreuz wurde 1901 an den heutigen Platz gehangen. 1962 erfolgte eine weitere Restaurierung.

 

Taufbecken

Taufbecken von 1220

Das bronzene Taufbecken ist sogar noch ein paar Jahre älter. Es ist im romanischen Stil und wurde 1220 gegossen. Der Kübel mit zwei Henkeln steht auf drei Tierfüßen. Es hat mehrere Schriftbänder und teilweise Reliefs mit Bildern. Z.B. Christus in der Taufe. Laut Inschrift soll es eine Stiftung des Utrechter Bischofs Willbrand von Oldenburg sein, der das Bistum ein Jahr verwaltete. Es wird auch „Fünte“ genannt und hat fünf Bilder, die Apostel Petrus und Paulus und die Taufe Jesu zeigen. Fünte kommt aber nicht von fünf, für die Bilder, sondern von lat. „fons“, für Quelle oder Brunnen. Also die Quelle, in die der Täufling getaucht wird. Außen herum sind fünf Reliefs zu sehen: Jesus steht in den Fluten des Jordans, Johannes der Täufer, Ein Engel und die Apostel Petrus und Paulus.

 

Sakramentskapelle

Tabernakel und rechts das Ewige Licht in der Sakramentskapelle

Die geweihten Hostien für das Abendmahl werden in der Sakramentskapelle aufbewahrt.

Tabernakel vergrößert

Der Schrank, in dem sie liegen nennt man Tabernakel. Beim Betreten der Kapelle verneigen sich viele oder knien nieder. Das liegt daran, dass sie glauben, in der Kapelle dem Brot Christi und damit ihm selbst besonders nah zu sein. Das wird noch verstärkt, weil neben dem  Tabernakel das Ewige Licht in Form einer Kerze in rotem Glas immer brennt.

 

Altar

Mystischer Blick zum Altar im Vordergrund der Steinaltar, im Hintergrund der Hochaltar

In der Vierung steht ein Klotz aus Sandstein, der wie ein Tisch aussieht, das ist ein Altar vom Kölner Bildhauer Hildebrand aus 1970, also nicht so wahnsinnig alt. Dahinter, aber leider nicht  richtig mit auf dem Bild steht der Bischofsstuhl, auch „Kathedra“ genannt. Dort darf nur der Bischof sitzen. Im Hintergrund das goldene ist ein Hochaltar von Balthasar Heinrich Seling, der zwischen 1895 und 1905 angefertigt wurde. Er ist aus Holz geschnitzt, farbig gefasst und dann vergoldet. Vor diesem Altar stand früher der Priester mit dem Rücken zu den Gläubigen. Da konnte man nicht besonders viel vom Gottesdienst mitbekommen. Vor 50 Jahren beschloss man dann im Vatikan, zusammen mit dem Papst, dass die Gemeinde beim Gottesdienst mitfeiern sollte. (Warum man dafür so lange brauchte ist unverständlich, schließlich kommen die Gläubigen deshalb und finanzieren die Kirche und das Drumherum ja auch). Das führte dann dazu, dass im Dom ein neuer Altar gebaut wurde. Im Hochaltar wird der Schrein der heiligen Regina von Alesia verwahrt.

Das Taufbecken hinter einem wunderschönen Gitter.

Die Marienkapelle von 1476, die sich im Chorumgang befindet, war ursprünglich die Grabkapelle von Bischof Conrad von Diepholz. Seit 1827 werden dort alle Osnabrücker Bischöfe beigesetzt. Direkt im Chorumgang sind auch mehrere Epitaphien (das sind Grabdenkmäler, meist gestiftet.

Ausstellungsstücke

Adolf von Tecklenburg war Kirchenreformer und kümmerte sich besonders um Arme und Kranke.

1924 wurde der Adolf Altar geschaffen um den 700. Todestag des Zisterzienserbischofs Adolf von Tecklenburg zu feiern. Er war der Bischof der Anfang des 13. Jahrhunderts den Domneubau begann. Das Relief zeigt den Besuch des Bischofs bei einem Leprakranken in der Nähe von Merzen. Oben im Hintergrund sieht man den Dom mit den beiden Turmhelmen, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. 1216 wurde Adolf von Tecklenburg Bischof von Osnabrück.

Vesperbild

Ein von der Bäckerzunft gestiftetes Vesperbild, das sich in der Marienkapelle befindet, soll von 1478, also aus dem Frühbarock sein. Vesperbild ist aber nicht das, was Sie vielleicht denken, nichts zum Essen, auch nicht wenn es von Bäckern gestiftet wurde. Ich habe mal bei Wikipedia nachgesehen: „Vesperbild nennt es sich, weil Maria den Leichnam ihres Sohnes Karfreitag zur Zeit des Abendgebetes entgegennahm und das ist die Zeit der liturgischen Vesper“.

Bischof Wiho Epitaph

 

Im Chorumgang des Osnabrücker Doms erinnert dieses Epitaph an den ersten Osnabrücker Bischof Wiho – er steht rechts zu Füßen Jesu mit dem Bischofsstab in der einen und dem Dom in der anderen Hand.

Epitaph Albert von Bevessen. Im wehenden Spruchband steht übersetzt: „Als am Kreuz Getöteter tilge (meine) Schuld, und ich werde selig sein.“ Die Inschrift unten besagt: „Der beliebte Dechant, von Bevessen genannt, Albert von ritterlicher Abkunft, dir Christus gegeben.“ Und rechts unten am Rand: „Er starb (im Jahr) 1458.“

Josephs-Altar ca. aus dem 18. Jahrhundert von J.H. König

Das Epitaph des Albert von Bevessen (1446-1456 Domdechant) findet man im südlichen Chorumgang. Es ist aus Sandstein und dann bemalt.Es zeigt eine

 

Kreuzigungsszene. Links unter dem Kreuz sollen Maria und Johannes sein, rechts das soll der Verstorbene sein und im Hintergrund Petrus, erkennbar an dem Himmelsschlüssel. Es ist aber nicht nach dem Tode Albert von Bevessen im Jahre 1458 angefertigt worden, sondern wohl erst, als sein Bruder 1480 Kantor und Probst von St. Johann war.

 

    Geschnitzte Kreuzigungszene von Johann Geitner von ca. 1760

Matthäus

Bartholomäus

Andreas

Simon

An den Pfeilern des Mittelschiffes hängen Apostelfiguren aus Sandstein. Sie wurden 1525 angefertigt. Die Wappen ihrer Stifter sind an den Sockeln angebracht.

Jacobus

Judas

Johannes

Aus dem sehr frühen 20. Jahrhundert ist der dreiflügelige Hochaltar und das geschnitzte Chorgestühl. Der Vierungsaltar ist dann sehr jung, wie schon geschrieben vom Bildhauer Hildemann aus dem Jahr 1970.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Dächer des Doms ganz schön in Mitleidenschaft gezogen.

Das gesamte Domdach mit den barocken Hauben und Kirchenanbauten wurden durch Brandbomben zerstört. Bis dahin waren der kleine Turm mit Hauben aus der Renaissancezeit gedeckt und der größere mit einer aus der Barockzeit. Beim Wiederaufbau erhielten beide dann schlichte pyramidenförmige Dächer. Muss ja auch alles bezahlbar sein.

Im Inneren wurden bei der Renovierung fast die ganze Ausstattung und die Ausmalung entfernt. Seitdem sieht man wieder viel Stein und hell verputzte Wände.

Auf dieser Unterseite bekommen Sie auch noch Informationen zum Kreuzgang.
In den kommen Sie, wenn Sie  sich kurz nach dem Domeingang rechts halten, an der Marienkapelle im Südwestturm vorbeigehen und dann rechts die Tür öffnen.

Weihnachtskrippe im Dom

Nobel, Nobel

Weil ich diesen Text in der Weihnachtszeit fertig machte, möchte ich natürlich auch nicht darauf verzichten, Ihnen Bilder der Weihnachtskrippe im Dom zu zeigen.

Und die Engel sagten es den Hirten

Zwei Wochen vor Weihnachten stand die Krippe noch nicht, aber es war ein Anschlag am Eingang, dass die Tiere bereits angekommen seien und sich im hinteren Bereich des Doms aufhalten, in der Kreuzkapelle, links neben der hinteren Marienkapelle, die auch Grabkapelle des Bischofs Konrad von Diepholz ist. Nett und niedlich geschrieben und tatsächlich in einer Kapelle waren die Tiere schon voll in Action.

Vor der Krippenaufstellung

Ein paar Fakten noch: Der Jakob Holtmann (1863-1935) wurde 1914 aus Kevelaer nach Osnabrück geholt. Er hatte bereits eine große Erfahrung mit dem Schnitzen von sakralen Werken. Neben vielem anderen schnitzte er von 1919-1929 die Weihnachtskrippe des Osnabrücker Doms, die rechts neben dem Eingang in der Marienkapelle im Südwestturm ihren Platz hat..

Kamel darf nicht fehlen

Seine Werkstatt beschäftigte Schnitzer, Ornamentierer, Maler und Tischler. Im Jahre 1925 waren es 15 Personen.

Die Krippe des Domes hat insgesamt 46 Figuren und ist die größte und die bedeutendste des Osnabrücker Landes. Deshalb dauert der Aufbau durch den Küster auch eine Woche.

Ohne ihn wäre Maria nie so weit gekommen

Wissen Sie eigentlich, wie der Normalbürger zur Krippe in seiner Wohnung kommt. Schuld sollen die Kreuzritter sein. Die erzählten, als sie von ihren Schlachten zurückkamen sehr lebhaft von den Orten in denen Jesus gelebt hat. Dadurch wollte man auch in Europa das Geschehen bildlich nachstellen. Die erste Krippe soll 1223 in Umbrien aus lebenden Personen bestanden haben.

Die Hirten auf dem Felde

Zusammengestellt von Franz von Assisi. Damals soll allerdings Josef noch gefehlt haben. Na ja, den hätte man sowieso gern verschwiegen, oder? Den Weg so richtig zu den normalen Bürgern fand die Krippe ab Ende 16. Jahrhunderts. Nach der Revolution versuchte man den katholischen Glauben wiederzubeleben. Dafür gestaltete man Krippen, um die Geburt Jesu zu zeigen und die Gläubigen zurückzugewinnen.

Hauptperson ist dieser „Sattelschlepper“

Der Weg der Krippe ging dann von der Kirche, über Adelshäuser und dann Bürgerhäuser bis in die Wohnungen der Landbevölkerung und der Arbeiter. Dort kam der Trend im 17. Jahrhundert an. Im 18. Jahrhundert war sie dann fest etabliert. Übrigens: In der Bibel berichten nur Lukas und Matthäus von der Krippe.

Die Krippen wurden immer weiter ausgestaltet, zum Teil zu richtigen Berglandschaften, wodurch Ochs und Esel natürlich nicht fehlen durften. Das basiert wohl auf einer Voraussage des Propheten Jesaja:

„Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.“
Und weil die Krippen seit Jahrhunderten von der normalen Bevölkerung gestaltet werden und diese Gestaltung auch immer farbenfroher wurde, hat die Kirche seit jeher wenig Einfluss auf sie. Krippenbau ist Volkskunst. Viel Spaß mit den Bildern.

Wenn Sie sehen wollen, wie rasend schnell der Aufbau zu gange ist, dann schauen Sie doch mal auf diesen Link. https://www.youtube.com/watch?v=gHclHmQiZRs

Sehr interessant ist dieses zweiflügelige schmiedeeiserne Tor, das u.a. das Osnabrücker Rad zeigt und zur Abtrennung des Chorumganges dient

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