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Stadtplan von Osnabrück aus dem Jahre 1633

Wenzel Hollars Stadtplan von 1633

Wenzel Hollar wurde 1607 in Prag geboren und ist 1677 in London gestorben. Er hat diese Ansicht aus der extremen Vogelperspektive als Kupferstich hergestellt. Übrigens war es früher üblich, einen Kupferstich für andere Zwecke zu kopieren, oder besser gesagt „abzukupfern“. Da kommt der Ausdruck wohl her.

Stadtplan von Osnabrück erstellt von Wenzel Hollar 1633, unten auf der Seite mit Anmerkungen zu einzelnen Sehenswürdigkeiten

Kurz vorher, nämlich 1628 wurde von Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg mitten im 30-jährigen Krieg, der Bau der Petersburg begonnen. Sie war allerdings im Jahr 1633, als die Schweden die Stadt eroberten noch nicht fertiggestellt. Sie ist hier im Vordergrund links aber schon mit eingezeichnet. Auch die Jesuiten-Akademie, die im ehemaligen Augustinerkloster 1632 eröffnet wurde findet bereits Berücksichtigung. Das war auch der Grund, warum über die Jahrhunderte eine Verbindung des Kupferstichs zur Gegenreformation unter Bischof Wartenberg gesehen wurde.

Allerdings soll Hollar nicht in Osnabrück gewesen sein, sondern die bildliche Darstellung aus Erzählungen und älteren Karten angefertigt haben. Eigentlich eine unmögliche Geschichte. Wer kann schon die Anordnung von Straßen und Gebäuden aus dem Ärmel zaubern. Das ist noch eine Spur exotischer und fantasievoller, als dass Karl May seinen Winnetou schrieb, ohne jemals in Amerika gewesen zu sein.

Die Straßen entsprechen häufig nicht dem wirklichen Verlauf, als Beispiele sind nur die Bier- und Krahnstraße erwähnt, die in der Darstellung kreisförmig verlaufen.

Es gibt aber auch einige Details, die erstaunen. Der alte Marktbrunnen, der lange Zeit verschollen war, ist am Anfang des Marktplatzes mit eingezeichnet, ebenso wie die Fürstbischöfliche Kanzlei neben dem Dom. Die Kleine Kirche, die damals Pauluskirche hieß, wurde von Hollar aber an falscher Stelle eingezeichnet, nämlich in unmittelbarer Nähe zum heutigen Nikolaiort. Hier stand aber früher die Nikolauskapelle.  Das Domikanerkloster nennt er Clarissenkloster. Das Hegertor, durch das die Straße nach Münster führte bezeichnete er als „Bremer Thor“, das Johannistor nennt er „Iburger Thor“.

Wahrscheinlich hat ihm auch keiner gesagt, dass Osnabrück als Wappen ein 6-speichiges Rad hat, das war zu dem Zeitpunkt schon ewig so. Also anzunehmen, dass er selber unsere schöne Stadt nie besuchte. Dafür würde übrigens auch sprechen, dass Hollar 1633 in Köln als Kupferstecher arbeitet und im selben Jahr Bischof von Wartenberg mit seinem Weihbischof Caspar Münster vor den Osnabrück angreifenden Schweden nach Köln floh.

Trotz alle Ungenauigkeiten ist es sehr interessant, die heutigen Sehenswürdigkeiten ein wenig einzuzeichnen. Jedenfalls hat mir diese Sucharbeit viel Spaß gemacht. Wenn es Ihnen genauso geht, dann würde ich mich freuen. Wenn Sie weitere Details finden, die ich nicht sah, dann schreiben Sie mir das bitte, ich vervollständige den Plan dann gern.

Schauen Sie sich meinen Plan gern einmal etwas genauer an. Wenn Sie die Maus über die einzelnen Punkte ziehen sehen Sie auch eine Beschreibung der jeweiligen Sehenswürdigkeit.

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