Schultze mit tz

Berlin per Schiff, fast wie Venedig

Berlin mit einer abendlichen Schiffstour

Wir waren im August 2018 für eine knappe Woche in Berlin und wollten gleich am Anfang einen kleinen Überblick haben, was wo ist. Im Internet sahen wir, dass Berlin von Flüssen und Kanälen durchzogen ist, und dass man viele Sehenswürdigkeiten auch per Schiff sehen kann, um dann einzelne Highlights direkt zu besichtigen. Nur bei 5 Tagen musste einfach eine Vorauswahl her, weil Berlin selbst bei unserer kleinlichen Vorplanung nicht komplett zu schaffen war. Somit haben wir mit einer schönen Schiffstour begonnen. Hier ein Tipp, wir können unsere Tour wärmstens weiterempfehlen. Die wurde durchgeführt von der Firma Stern und Kreis Schiffahrt GmbH und fand von 18.30 bis 21.00 Uhr statt. Abfahrt war an der Friedrichsstraße. Der Preis von 21 € pro Person war absolut in Ordnung. Getränke und Kleinigkeiten zum Essen gab es auf dem Schiff. Hier noch kurz, was der Anbieter zu seiner Fahrt schreibt:

Erleben Sie eine unvergessliche Bootstour durch Berlin mit der Stern und Kreisschiffahrt GmbH. Entdecken Sie Berlin vom Wasser aus und geniessen Sie bei einer abendlichen Brückenfahrt auf der Spreefahrt diese atemberaubende Metropole. Die Highlights der Berliner City präsentieren sich in ganz neuem Licht vom Wasser aus. Die abendliche Brückenfahrt führt Sie entlang interessanter Sehenswürdigkeiten. Alle Fahrten werden durch professionelle Stadtbilderklärer live moderiert.

So und nun beginnen wir mit dem, was wir haben sehen können. Sollte irgendjemand sich besser auskennen und Fehler im Text entdecken, schicken Sie mir über Kommentarfunktion eine kurze Nachricht. Los ging die Fahrt an der Friedrichstraße, wo uns eine Rikscha hinbrachte. Der hatte bei zwei so Schwergewichten ganz schön zu strampeln.

Theater am Schiffbauer Damm

Berliner Ensemble

Gegenüber der Anlegestelle ist das Berliner Ensemble (Theater am Schiffbauerdamm) zu sehen. Es ist eines der bekanntesten Theater Berlins. Gegründet wurde das Berliner Ensemble von Bertolt Brecht, dessen Werke dort auch aufgeführt wurden. Es ist eine der führenden deutschen Bühnen. Gegründet wurde das Berliner Ensembles Ende 1949, kurz nach Gründung der DDR. Brecht suchte für sich eine Tätigkeit und Politiker der sowjetischen Besatzungszone, also der spägeren DDR wollte eine international beachtete Kulturszene aufbauen. Somit wurde Brecht mit offenen Armen empfangen. Die SED beschloss sogar den Jahresetat von 1,5 Millionen Mark. Am Schiffbauerdamm konnte man dann 1954 beginnen.

Muse der Kunst

Das Theater am Schiffbauerdamm gibt es allerdings schon wesentlich länger. Davon zeugt das Mosaik am Gebäude nebenan. Das Mosaik Muse der Kunst“ diente 1892/93 der Werbung für eben dieses Theater. Es ist ein Glasmosaik und wurde erst 1997 wiederentdeckt, es war nämlich zugemauert. Allerdings fehlten eine Menge Teile, es gab Risse im Mörtel, der zum Teil sogar fehlte oder hohl lag und alles musste extrem gereinigt werden. Diese Restaurierung wurde 1999 durchgeführt. Die Mosaikteilchen nennt man Goldsmalten. Dabei wirdwchtes Blattgold, eingeschmolzen und mit farbigem Glas überfangen. Man versuchte Goldsmalten zu restaurieren, ohne diese austauschen zu müssen.

In dem Gebäude selbst ist heute die Ganymed Brasserie untergebracht. Sie ist Teil der längsten Spreeterrasse Berlins – gemeinsam mit 7 anderen Restaurants. Nun ging die Fahrt los.

Gästehaus des Militärbischofs

Gästehaus des Militärbischofs

Als erstes kamen wir am Gästehaus des katholischen Militärbischofs vorbei, es befindet sich Am Weidendamm 2. Es wird für Fordbildungsveranstaltungen und Konferenzen genutzt und hat sowohl Gästezimmer, als auch Speisesäle und Gastronomie. Es wird sogar täglich in der Hauskapelle St. Michael die Heilige Messe gefeiert. Das Haus ist zwar kein öffentliches Hotel, aber auch Dienstreisende der Bundeswehr können dort als Gäste des katholischen Militärbischofs aufgenommen werden.

Militärbischofsamt

Humboldt Universität

Dann gibt es in der Gegend mehrere Gebäude, die Institute der Humboldt Universität beherbergen. linker Hand an der Ziegelstraße entstand 1882 auf dem ehemaligen Gelände einer Bleichzucker- und Stärkefabrik eine von Gropius und Schmieden geplante, Chirugische Poliklinik, das erste Universitäts-Klinikum. Der dreigeschossige Klinkerbau wurde dann 1894/95 erweitert.

Die Hauptfassade ist mit Gesimsen und Friesen aus roten Terrakotten und teilweise auch in grüner Majolika gegliedert. Auf der rechten Seite an der Geschwister-Scholl-Straße ist ein weiteres Gebäude der Uni. Das wurde zwischen 1898 und 1901 als Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Kaserne erbaut und war bis 1989 als Friedrich-Engels-Kaserne bekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es aufwändig renoviert. Es soll dort weitergehend evtl. neu für die Unibibliothek gebaut werden.

Direkt davor ist der Kupfergraben. Mit Kupfergraben wird der nördliche Teil des kanalartig ausgebauten linken Spreearms entlang der Museumsinsel von der Eisernen Brücke bis zur Spree bezeichnet. Bevor wir links weiter auf der Spree fahren sieht man das Bode-Museum auf der berühmten Museumsinsel. Zum Fernsehturm im Hintergrund später etwas mehr.

Bodemuseum Berln

Bode-Museum

Hinten an das Bode-Museum grenzt das Pergamonmuseum an. Das Bode-Museum wurde im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. 1898-1904 gebaut. Der Baustil ist der Neobarock und hieß anfangs Kaiser-Friedrich-Museum. Momentan ist dort eine Skulpturensammlung zu sehen und Byzantinischer Kunst. Berlin wollte schon Mitte des 19. Jahrhunderts ein Kunstmuseum an dieser Stelle haben. Wilhelm von Bode, ein sehr anerkannter Kunsthistoriker und Museumsfachmann, der später sogar gealdetl wurde, machte die später dann genommenen Vorschläge.

Über dem Hauptbau des Gebäudes erhebt sich eine 39,50 m hohe Kuppel aus Holz und Stahl. Sie wird Schwedler-Kuppel genannt, nach ihrem Erfinder Johann Wilhelm Schwedler

In Erinnerung an den Kaiser Friedrich III. gab man dem Haus den Namen Kaiser-Friedrich-Museum und eröffnete es auch am 18. Oktober 1904, seinem Geburtstag. Wer Münzen oder Briefmarken sammelt, hat vielleich schon einmal vom „99-Tage-Kaiser“ Friedrich III: gehört, ist doch das Jahr 1888, in dem er regierte, als 3-Kaiser Jahr bekannt. Wilhelm I 17 Jahre lang vor ihm und Wilhelm II 30 Jahr lang nach ihm. Im Zweiten Weltkrieg gab es zwar nur geringe Schäden, bekam aber erst 1951 eine Notdach. Man wollte nach dem Krieg nicht mehr an alte Herrscher erinnert werden und nannte das Museum in „Museum am Kupfergraben“ um. 1956 benannte es die DDR um in Bode-Museum. Nach der Wende 1990 stellte man Mängel fest und 1997/98 wurde dann das gesamte mittlerweile fast 100 Jahre alte Gebäude komplett saniert. Man hat mehrere Höfe, die auch der Skulpturenausstellung dienen. Außerdem gibt es eine Verbindung zum Pergamonmuseum, das nach hinten angrenzt. Dem Soli sei Dank brauchte man nicht zu sparen. Die gesamte Instandsetzung kostete 152 Millionen Euro, hat aber natürlich auch 25000 qm gesamt und davon 11000 qm für 66 Ausstellungsräume. Schlüsselübergabe und Beendigung der Renovierung war im November 2005.

Monbijoubrücke

Vor dem Bode-Museum sieht man die Monbijoubrücke, die sowohl die Spree, als auch den Kupfergraben überbaut. Die heutige Brücke wurde ursprünglich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Jahre 1905 über beide Spreearme errichtet und stützt sich auf die Spitze der Museumsinsel. Grund war der Bau des heutigen Bode-Museums auf der Spreeinsel. Sie wurde dann nach dem in der Nähe befindlichen Schloss – Monbijoubrücke genannt. Die Monbijoubrücke war gemäß den flächenbezogenen Kosten die teuerste Brücke ihrer Zeit. 2006 wurde Sie wieder aufgebaut und verbindet das Bodemuseum mit dem Monbijoupark. Es soll aber an dieser Stelle bereits seit 1776 eine hölzerne Brücke gegeben haben, die dann immer wieder umgebaut und anders benannt wurde.

Die Führungsspitze der DDR wollte den Turm so schnell wie möglich fertigstellen. Also wurde am 9. Februar 1965 der Entwurf abgesegnet und am 20. März begannen die Abrissarbeiten einiger Häuser auf dem Grundstück am Alexanderplatz. Die waren mit gut 38 Millionen Mark teurer als die geplanten Gesamtkosten und so mussten die Arbeiten erst einmal niedergelegt werden. Der Bauleiter soll aber ohne Genehmigung weitergebaut haben. Also ist der Turm wohl ein Schwarzbau gewesen. Gekostet hat er dann übrigens 131 Millionen. Ja es gab in Berlin schon Rechenkünstler, bevor der Flughafen geplant wurde.

Fernsehturm

Nun zu einer recht witzigen Sache, Sie hatten auf einem vorherigen Bild doch schon den Fernsehturm gesehen. Haben Sie in diesem Zusammenhang schon einmal den Ausdruck „Rache des Papstes“ gehört? Nein, gut, denn möchte ich die Wissenlücke schließen. Man erzählte uns, Eine Stadtführer erzählte uns, die DDR Regierung sei ja in der Einstellung eher atheistisch, also gegen die Kirche gewesen. Kirchliche Einrichtungen wurden diskriminiert und benachteiligt. Normal würde sich auf einer Kugel die Sonne ja kreisförmig zeigen. An diesem Fernsehturm hat man aber, um Luftwirbelungen und ein evtuelles Schwanken der Kugel zu verhindern, nach außen vorstehende Edelstahlverkleidungen angebracht, die das Licht zusätzlich reflektieren. Nachdem alles fertig war, sah man, dass als Spiegelung nun ein Lichtkreuz entstand. Bereits 1973 nannte man das in Westberlin „die Rache des Papstes“. Weil der Fernsehturm aber ein sozialistisches Statussymbol sein sollte, war es für den Staatsrat besonders unangenehm. Man lies sogar einen inoffiziellen Mitarbeiter ermitteln, ob es sich um Sabotage handelte. im Westen brachte man sogar das Gerücht auf, man wolle den Turm wieder abreißen, was aber nicht stimmte. Und schleifen der Kugel oder mit Kunststoff zu überziehen soll als zu teuer verworfen worden sein. Übrigens war das Material aus westdeutschem Kruppstahl. Es wurde dann einfach gesagt, es sei kein Kreuz, sondern ein Plus für den Sozialismus. Na ja, wers glaubt. Auf jeden Fall ein toller Gag. Es gibt aber noch eine andere Geschichte zum Turm. Wollte die SED ihn doch Telespargel nennen, um der eigenen Bevölkerung den Namen „St. Walter“ auszutreiben. Den hatte man ihm nämlich gegeben, weil Walter Ulbricht, der Staatsratsvorsitzende der DDR, mit dem Turm den Westen beeindrucken wollte, aber durch das Leuchtkreuz zum Gespött der Leute wurde. Hat aber nicht geklappt. Kurios ist auch Folgendes noch: Am Anfang mussten Besucher rauf übre die Treppe und durften den Aufzug nur hinunter nehmen. Um Energie zu sparen? Nein! Einfach weil der Erbauer den Besuchern gern vor Augen führen wollte, welches bedeutende Bauwerk er erschaffen hatte und wie extrem hoch es war. Dazu baute er darauf, dass vielen Besuchern beim Aufstieg auf enger Treppe schlecht wird und das eben dies verdeutlicht. Ideen hatte man…

Monbijoupark

Monbijoupark Die jahrelange Sondergenehmigung für das Theater wurde nicht mehr verlängert, weil im Park keine festen Bauten geduldet werden. Im Juni 2020 war dann Schluss.

Er ist eine große Parkanlage, die sich in einem beliebten Flanierviertel in Berlin-Mitte befindet. Dort stand bis ins Jahr 1959 das Schloss Monbijou. Es war aber durch den Krieg beschädigt und der Rest wurde abgetragen. Grund war das Geld, denn ein Wiederaufbau wäre sehr aufwändig gewesen. Und die DDR war nicht dafür bekannt, Geld in Adelspaläste zu stecken. Dergleichen war damals auch dem Berliner Stadtschloss wiederfahren. Erbaut war es seinerzeit im Rokoko-Stil. Nach dem Abriss gestaltete man den Park 1962 zu einem Freizeitpark mit Kinderfreibad Monbijou. 1974 bei einer weiteren Umgestaltung kam ein Gaststättenpavillon hinzu.

Monbijoupark Rückblick

Beides wurde dann nach der Wende im Jahr 2000 renoviert, der Gaststättenpavillon aber dann später abgerissen. Die Uferpromenade, an der wir vorbeifuhren wurde 2006 eingerichtet, als der Park für 3,3 Millionen Euro neu gestaltet wurde. Die großen Rasenflächen werden zum Sonnen und Spielen genutzt. Im Winter kann sogar ein Rodelberg genutzt werden. Bis Mitte 2020 gab es auch ein Monbijou Theater im Park. Im Sommer wurde im Amphitheater mit 450 Plätzen Volkstheater gegeben, im Winter in drei sogenannten Märchenhütten vor ca. 100 Besuchern Märchen der Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen.

Etwas weiter auf der Seite des Monbijou Parks kommt dieses Gebäude der Humboldt-Uni, die Theologische-Fakultät. Direkt vor der Friedrichsbrücke.

Friedrichsbrücke

Die Brücke liegt zwischen Alt-Berlin und Alt-Köln. Erstmals errichtet im Jahr 1703 mit dem Namen Große Pomeranzenbrücke, musste sie aber dauernd erneuert werden. Der Name kam damals von einem Pomeranzenhaus auf der Spreeinsel, also einer Art Orangerie. Friedrich II. wollte dann einen Neubau als Gewölbebrücke, die bis 1769 aus Backsteinen gebaut wurde und dann 1792 zu Ehren des Königs ihren heutigen Namen erhielt. Sechs Gewölbe waren es ursprünglich und sie konnte mittig aufgeklappt werden, um die damaligen Segelschiffe durchfahren zu lassen. ab 1822 musste sie stark verändert werden, weil der Verkehr mehr wurde. Die Klappbarkeit wurde entfernt, die Klinkergewölbe abgebrochen und sieben gusseiserne Fachwerk-Bögen installiert.

Blick auf die Friedrichsbrücke nach der Durchfahrt

Aber wie sie es von heute kennen, nichts ist für die Ewigkeit und der Straßenverkehr steigt stetig. Also musste in der 1870er Jahren erneut gebaut werden und die Brücke auf 16 Meter verbreitert. 10 Jahre später reichte die Durchfahrrinne in der Höhe für den Schiffsverkehr nicht mehr aus. Die Fahrrinne musste vertieft werden, was aber die Standsicherheit der Brücke gefährdet hätte. Also wurde die Eisenkonstruktion abgebrochen. Man baute drei Bögen auf gemauerte Pfeiler. Fertig war sie 1893 und es konnten Schiffe bis 3,20 Meter durchfahren. Trotzdem sehen Sie heute nicht das Bauwerk von damals, denn im Zweiten Weltkrieg wollte man den Vormarsch der Russen verhindern und sprengte die Brücke. Nach dem Krieg wurde eine Behelfsbrücke errichtet, aber nur für Fußgänger. Erst Anfang der 1980er Jahre erfolgte der Wiederaufbau in Anlehnung an die alten Vorbilder. Eine „nur“ Fußgängerbrücke blieb sie trotzdem. 2012-2014 stellte man auch die ursprüngliche historische Breite von 27 Metern wieder her.

Berliner Dom

Berliner Dom

Er steht auf der Museumsinsel und ist eine evangelische Kirche. Erbaut in den Jahren 1894-1905 im Stil der Neorenaissance und des Neubarocks. Er ist übrigens die größte evangelische Kirche Deutschlands, wenn man von der Fläche ausgeht. Heute dient der Dom nicht nur den Gottesdiensten, sondern auch anderen Veranstaltungen wie Konzerte oder Staatsakte. Im Zweiten Weltkrieg wurde er stark beschädigt, außerdem bis 1984 „stark vereinfacht“. Man riss zum Beispiel die Denkmalskirche ab und baute auch die Kuppel kleiner wieder auf.

Urspünglich war der Dom 114 Meter lang, 73 Meter breit und 116 Meter hoch. Nach der Vereinfachung nur noch 90 Meter Länge und 98 Meter hoch. Statt 2100 Sitzplätzen hat er heute nur noch 1390. Innen wurde alles bis 2002 wieder orginalgetreu aufgebaut.

Die Geschichte des Doms reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Zwar nicht genau an der Stelle, an der er heute steht, aber in Sichtweite. Erst gab es im Schloss 1450 die Erasmus-Kapelle, eine Hofkirche. 1536 wurde dann die südlich gelegene Dominikanerkirche zur neuen Hofkirche umgebaut. Der Dom wurde 1536 geweiht, damals noch als katholischer Dom. Doch bereits 3 Jahre später trat der Kurfürst zum lutherischen Glauben über.  Ab das war es ein evangelischer Dom.

Dies ist eine Rekonstruktion des Kuppelkreuzes in der Fassung von 1981. Das neue Kreuz wurde mit 1,5 Kilogramm Blattgold belegt. Am 19. August 2008 wurde es von einem 500-Tonnen-Kran auf die Domkuppel gehoben. Von 1,2 Millionen Euro Kosten, die bei den Sanierungsmaßnahmen am Berliner Dom entstanden, kostete das Kuppelkreuz 700.000 Euro.

Anfang des 18 Jahrhunderts wurde das Gebäude bruchfällig und man baute Friedrich II ein sehr nüchternes barockes Gebäude am heutigen Standort des Doms und ließ alle kurfürstlichen Särge überführen. Der alte Dom wurde abgerissen, der neue 1750 geweiht.

Anfang des 19. Jahrhunderts änderte man den Baustil auf den modernen Klassizismus. Fertig war die Umgestaltung 1821. Doch wollte man etwas prunkvolleres, weshalb eine neue Domkirche gebaut werden sollte, als zweitürmige Basilika. 1848 kam dann erst einmal alles zum Erliegen, weil mittlerweile das Abgeordnetenhaus über den Staatshaushalt entschied und die die Bauprojekte des Königs stoppten. Erst 1894 ging es weiter, als König Wilhelm II. den Abriss des alten und den Bau des neuen Doms veranlasste. Bauform sollte jetzt eine Mischung aus italienischer Hochrenaissance und des Barocks sein. 1905 konnte die Einweihung erfolgen.

Nachedem im Zweiten Weltkrieg viel zerstört wurde, begann der Wiederaufbau erst im Jahr 1975. Wie oben schon geschrieben, wurde vieles aus ideologischen Gründen abgerissen, obwohl einzelne Dinge noch sehr gut erhalten waren, oder es wurde einfacher wieder errichtet.

DDR Museum – mit interaktiven Exponaten zum Alltag in der DDR vor der deutschen Wiedervereinigung.
Direkt auf der anderen Seite der Spree gegenüber dem Dom

Übrigens wurden Teile der Denkmalskirchenfassade gerettet, weil man sie in ein Depot verbracht. Dort liegen sie heute noch. Die Türme wurden vereinfacht und niedriger aufgebaut, genauso wie die Hauptkuppel. Auch die Spitzen oben, Abschlusslaternen genannt, wurden nicht erneuert. Bereits 2023 muss aber wieder eine teure Sanierung erfolgen, weil Regen und Umweltverschmutzung für ein bröckeln der Fassade sorgen.

Rathausbrücke

Sie ist in ihrer heutigen Form neu, nämlich 2009-2012 erbaut. Ursprünglich erbaut im 14. Jahrhundert im Jahre 1307 als hölzerne Flussquerung.

Weil Sie eine unheimliche Länge hatte, bürgerte sich der Name Lange Brücke ein. Sie war aber nicht hoch genug, um Schiffe durch zu lassen. Sie verband die Städte Berlin und Cölln.

Von der Rathausbrücke soll man eine schöne Aussicht auf das Nikolaiviertel, das in Wiederherstellung befindliche Schloss und den Berliner Dom haben.

Das erste Rathaus entstand dann auf dieser Brücke. Im 17. Jahrhundert -1661- brauchte man einen Neubau, weil sich die Defekte immer mehr erhöhten. Wieder wurde eine Holzbrücke gebaut, aber kein Rathaus mehr darauf. Irgendwie war das auch noch nicht richtig, denn bereits 30 Jahre später lies der Kurfürst Friedrich III. wieder neu planen, diesmal aber aus Steinen.

Rechts neben der Brücke ist der Neue Marstall. Erbaut wurde er in den Jahren 1896 bis 1901 im Stil des Neobarock. Heute ist er die Heimat für die Hochschule für Musik, die Berliner Stadtbibliothek und den Verein für die Geschichte Berlins.

1694 war die Brücke mit den fünf Gewölben fertig. So hielt die Brücke 200 Jahre, bevor man 1895 völlig neu baute, zum einen nur mit drei, aber größeren Bögen, damit auch Schiffe darunter her fahren konnten, zum anderen breiter dem Verkehr geschuldet. Außerdem wurde sie in Kurfürstenbrücke umbenannt.

Wie viele Brücken wurden Teile davon im Zweiten Weltkrieg gesprengt, nur die Mitte war stehengebleiben. Sie wurde dann erst mit Holz, später mit Stahlträgern behelfmäßig wieder aufgebaut. 1951 wurde sie in Rathausbrücke umbenannt.

Das Gebäude der Jerusalemgemeinde, einer Glaubensgemeinschaft liegt direkt gegenüber des neuen Marstalls, auf der anderen Seite der Spree.

Erst 1974-76 wurde sie durch eine neue Stahlkonstruktion ersetzt. Seitdem war sie 29 Meter lang, aber nur noch Fußgänger- und Radfahrern vorbehalten. Wie gesagt, die heutige Brücke wurde 2009-2012 neu gebaut und zwar gewaltiger als je vorher. 41 Meter Länge, 18 Meter Breite und ein Gewicht von 500 Tonnen. Dafür aber auch wieder für den Straßenverkehr freigegeben. Wie vieles in Berlin verzögerte sich die Freigabe immer wieder und auch das Budget konnte nicht eingehalten werden. Statt sechs wurden es zwölf Millionen Euro. Auch der Schiffsverkehr kann sie nun einfacher unterqueren.

Nikolaiviertel

Dieses Viertel ist das älteste Siedlungsgebiet Berlins und gehört zu den ehemals vier Vierteln im historischenb Stadtteil Alt-Berlins.

Nikolaiviertel, hier finden Sie einiges an Gastronomie, aber auch ein paar Kunsthandwerker, bzw. Schmuckläden.

Der Name des Viertels wurde schon 1727 genannt, wird aber erst wieder seit 1987 verwendet. Es wurde im Zweiten Weltkrieg aber fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte erst zwischen 1980 und 1987, anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins. Das sollte man kaum glauben, wenn man da durchbummelt. Dabei begann man mit der Rekonstruierung der Nikolaikirche. Darum herum wurden auf einem mittelalterlichen Grundriss mehrere historische Bürgerhäuser neu errichtet. Die Plattenbauten, die in der DDR nicht wegzudenken waren, wurden aber darauf angepasst, sodass man heute das Gefühl hat, alles steht schon ewig lange. Gegründet wurde das Viertel, aber eigentlich auch Berlin zwischen 1220 und 1230, weil der Mühlendamm über die Spree gebaut wurde. Damit entstanden zwei Kirchen. Auf der östlichen Spreeseite um 1230 die Kirche St. Nikolai und die Siedlung Berlin, auf der westlichen Seite auf der Spreeinsel die Petrikirche und die kleinere Siedlung Kölln, die 1237 das erste Mal urkundlich erwähnt wird. Gründungsurkunden gibt es nicht mehr, die wurden beim Stadtbrand 1380 wohl vernichtet. Beide Städte wuchsen aber dann irgendwann zusammen und mit nimmt die Ersterwähnung Köllns aus dem Oktober 1237 auch als Geburtsjahr Berlins an. Bereits 1264 wurde die Nikolaikirche großzügig in eine gotische Hallenkirche umgebaut.

Berlin – Stadt des Friedens mit Friedenstaube und Wappen an einer Hausfassade im Berliner Nikolaiviertel. Der Titel „Stadt des Friedens“ wurde Berlin vom Vorsitzenden des Weltfriedensrat, dem Inder Romesh Chandra, im jahr 1979 verliehen. Die goldene Taube ist einem Picasso-Entwurf nachempfunden. Nach der Wiedervereinigung Berlins wurde der Titel von den Vertretern Westberlins nicht für gesamt Berlin übernommen.

Der Wohlstand durch die wachsende Wirtschaftskraft der Bürgerschaft machte es möglich. In den engen Gassen um die Kirche wohnten und arbietete hauptsächlich Handwerker. In der NS Zeit plante man sogar, das Nikolaiviertel total umzugestalten. Man wollte die alten Gebäude abreißen und durch wertvolle historische Bürgerhäuser zu ersetzen, die an anderen Stellen wegen der geplanten „Welthauptstadt Germania“ und des Größenwahns architektonischer Pläne abgerissen werden mussten. Na ja das haben die Nazis dann auch geschafft, leider aber wohl auf andere Weise, als sie sich die Angelegenheit vorstellten. Zwischen 1943 und 1945 wurde das Viertel im Bombenhagel vollständig vernichtet. Nach dem Krieg wurden dann nicht nur die Überreste beseitigt, sondern auch noch intakte Gebäude abgerissen. Weil zu DDR Zeiten die Wohnraumbeschaffung und daneben allenfalls repräsentative Bauten, die für die Außenwirkung eine Rolle spielten, erledigt wurden, spielte das historische Gebiet lange keine Rolle mehr. Man wollte 1959 sogar an Stelle der Nikolaikirche und des Viertels einfach ein Hafenbecken für Ausflugsdampfer bauen. Der Plan wurde aber nicht verwirklicht. Erst als die 750-Jahr-Feier-Berlins im Jahr 1987 anstand, erinnerte man sich, für offizielle Feierlichkeiten und Repräsentation in Richtung Ausland, doch etwas historisches und für den Tourismus attraktives haben zu müssen. Also baute man auf dem mittlerweile Brachland den historischen Stadtkern wieder auf. Alles sollte eine historisch rekonstruierte und harmonische Einheit bilden. Es wurden also die Nikolaikirche und eine Reihe kleiner Bürgerhäuser darum herum anhande historischer Formen wieder aufgebaut. Relativ originalgetreu, aber relativ modern ausgestattet.

Brückengeländer kurz vor der Anlegestelle Friedrichstraße

Wir haben die Hintergründe erst bei einer Führung mitbekommen. Wenn man alleine, recht unbedarft durch das Viertel schlendert, denkt man aber schon, alles ist alt und historisch. Aber dazu sehen Sie Bilder auf den anderen Seiten unseres Berlinurlaubes.

Hier, am Mühlendamm, drehte unser Schiff um, fuhr erst zum Einstiegspunkt zurück, um dann aber weiter in Richtung Regierungsbezirk zu fahren.

Schiffbauerdamm

Nun also noch einmal neu und in die andere Richtung. Auf der rechten Seite der Spree, also beginnend an der Friedrichstraße ist der Schiffbauerdamm, der sich bis zur Bundespressekonferenz zieht.

Georg Paul Busch († 1756) – „Brandenburgia“. Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde und Heimatschutz in der Mark Brandenburg. 50. Jahrgang, Berlin 1941, S. 23
Bildunterschrift in der Brandenburgia: „Ansicht auf den Schiffbauerdamm Berlin, aus dem Prospekt der Stadt Berlin von A. M. Werner. gest. von G. P. Busch 1717. Die Schiffswerft vorn ist Privatwerft am Schiffbauerdamm; gegenüber vor der Dorotheenkirche das Kamesche Haus, später Loge Royal York; rechts neben ihr die Kurf. Bauwerft. Auf dem Strome die Prunkjacht des 1. Preußenkönigs Fridericus.“

Heute sind dort viele Restaurants auch mit Außenbewirtschaftung ansässig, doch früher war er genau das, was der Name aussagt. Eine Straße, an der viele Betriebe des Schiffbaus ansässig waren. König Friedrich Wilhelm I. wies dem Berliner Schiffbau den Standort zwischen der Weidendammer Brücke und dem Unterbaum, das ist die heutige Kronprinzenbrücke, zu. Nachdem sich dort zwei Schiffbauer ansiedelten, erhielt der Damm 1738 den Namen Schiffbauerdamm.

Eisenbahnbrücke und Fußgängerbrücke über die Spree. Vom Schiffbauerdamm führen Treppen hinauf zum stählernen Tragwerk der Brücke und dann über den Fluss direkt auf den Bahnsteig des S-Bahnhofs Station Friedrichstraße.

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch hier viel zerstört. Später restaurierte man die erhaltenen Wohnbauten und etablierte Handesunternehmen und Gaststätten, wie zum Beispiel das sehr bekannte Weinrestaurant Ganymed, mit dessen Wandbild „Muse der Kunst“ diesen Bericht begannen.

Bundespresseamt

Auf der gegenüberliegenden Seite, am Reichstagsufer kommt nun als erstes das Bundespresseamt. Das Bundespresseamt erfüllt zwei wesentliche Aufgaben: Information über die Arbeit der Bundesregierung nach außen und interne Information für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesregierung.

Das Bundespresseamt bietet ein öffentlich zugängliches Besucherzentrum an. Einmal im Jahr öffnet das Bundespresseamt zum Tag der offenen Tür auch am Wochenende seine Pforten.

Nach außen bedeutet die Information von Bürgern und Medien über die Politik der Bundesregierung, Gesetze, Maßnahmen usw.. Nach innen ist es die Information von Bundesregierung, Bundestag, Kanzler, Präsident und alle Mitarbeiter über die Nachrichtenlage in Deutschland und der Welt. Es werden also alle Infoquellen ausgewertet und dann Mitteilungen weitergegeben.

ARD-Hauptstadtstudio

Direkt daneben und das macht ja auch Sinn, ist das Gebäude des ARD Hauptstadtstudio zu sehen. Das ist eine Gemeinschaftseinrichtung aller ARD-Landesrundfunkanstalten. Es steht somit in direkter Nähe zu den Zentren der Bundespolitik und dem Reichstagsgebäude.

ARD-Hauptstadtstudio

Wenn man so will direkt am Puls des Geschehens von dem berichtet wird. Es wurde zur selben Zeit eröffnet, als die Bundesregierung von Bonn nach Berlin zog, im Jahr 1999. Von dort arbeiten viele Fernseh- und Hörfunkkorrespondenten. Die Korrespondenten erstellen ihre Beiträge überwiegend für ihre Heimatredaktionen in den einzelnen ARD-Sendern. Durch die technische Ausstattung ist es möglich in Sekundenschnelle Beiträge zu übertragen und sofort zu senden. Den Bericht aus Bonn kennt man z.B. mit seinem schönen Ausblick auf Berlin, der wird in einem Fernsehstudio mit Eckfenster gesendet. Der Ausblick ist also kein Fake, sondern real.

Reichstagsgebäude

Reichstagsgebäude

Auf der gleichen Seite taucht nun der Bundestag auf. Ich hatte den gedanklich immer mitten in Berlin verortet, aber nicht darüber nachgedacht, dass man mit einem Schiff dran vorbeifahren kann. Wahrscheinlich hätten wir uns Berlin schon einmal eher ansehen sollen, zumindest auf der Karte. Nachdem unsere Bundesregierung Jahrzehnte in Bonn ansässig war, wurde nach der Wiedervereinigung durch den Ältestenrat des Bundestages entschieden, den historischen Reichstagsbau von 1894 als Sitz eines gesamtdeutschen Parlamentes wiederherzustellen. Diese Entscheidung wurde im Oktober 1991 getroffen, doch sollte es einige Jahre dauern, bis man soweit war, das Parlament auch dorthin zu verlegen. Zwar war die Ruine des Reichsagsgebäudes bereits in den Sechzigern wiederaufgebaut worden, allerdings nicht als Parlamentsgebäude. Der Archittekt Norman Foster gewann den Architekturwettbewerb und stellte 1994 seinen Entwurf vor. Er wollte den Parlamentsbau zwar neu gestalten, aber die Geschichte des Gebäudes respektieren und dennoch zukunftsweisend bauen. Das ist ihm gelungen, wie Sie in unserem allgemeinen Bericht in allen Einzelheiten nachlesen können. Genial ist vor allem die begehbare Kuppel über dem Plenarsaal. Der gesamte Umbau erfolgte von 1995-1999. Am 19. April 1999 fand die Schlüsselübergabe an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse statt.

Paul-Löbe-Haus

Daneben steht das Paul-Löbe-Haus. Benannt wurde es nach dem Reichstagspräsidenten und Alterspräsidenten des ersten Deutschen Bundestags, Paul Löbe von der SPD.

Ostseite des Paul-Löbe-Hauses, von der Spree aus gesehen

Es gab 1992 einen städtebaulichen Ideenwettbewerb, mit dem man das Spreebogenareal bebauen wollte. Man sprach vom „Band des Bundes“. Das ist die Anordnung von Gebäuden im Regierungsviertel nördlich des Reichstagsgebäudes. Dazu gehören das Bundeskanzleramt, das Paul-Löbe-Haus, das Marie-Elisbeth-Lüders-Haus und ein Bürgerforum, das dann nicht realisiert wurden. Das Paul-Löbe-Haus wurde 2001 eröffnet. Das Gebäude sieht zwar auf dem Bild nicht so groß aus, stellt aber 1700 Räume mit 61000 qm Fläche bereit, die vorwiegend für Abgeordetenbüros und Sitzungssäle der Ausschüsse dienen.
Nun wechseln die Seiten, gut dass wir hinten auf dem Ausflugsschiff Platz gefunden haben, so können wir immer hin und her fotografieren.

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus hat zweitgrößten Saal des Deutschen Bundestags, nach dem Plenarsaal im Reichstagsgebäude

Das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus auf der anderen Seite der Spree bilden durch ihre Architektur eine Einheit, so zum Beispiel durch die zur Spree hin zusammenpassenden Konturen der Dachkanten und die Brücke. Seit 2001 gibt es sogar zwei direkte Übergänge vom Paul-Löbe- zum Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Versorgungstunnel bestehen zudem auch noch zum Jakob-Kaiser-Haus und dem Reichstagsgebäude.

Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ist der dritte Parlamentsbau an der Spree. Es wurde 2003 eingeweiht und vollendet das „Band des Bundes“, das mit dem Bundeskanzleramt beginnt. Die Namensgeberin gehörte zu den Vertretern der Frauenbewegung in Deutschland, die von 1878 bis 1966 in Berlin lebte. Von 1953 bis 1961 war sie Bundestagsabgeordneete, Mehrmals sogar Alterspräsidentin, weil Bundeskanzler Adenenauer darauf verzichtete. Das Haus steht zum Teil auf dem Verlauf der Berliner Mauer.

Die „Höhere Beamtenlaufbahn“ verbindet die sechsten Etagen beider Häuser miteinander und ist nur aus dem Inneren zugänglich.

Viel interessanter war in dem Moment der Vorbeifahrt aber die Geschichte der Brücke, die der Bootsführer zum Besten gab: Eigentlich sind es sogar zwei Brückenstege übereinander. Die Brücke zwischen den beiden Parlamentsbauten, die der Architekt der beiden Häuser den „Sprung über die Spree“ nennt, und die eigentlich Marie-Elisabeth-Lüders-Steg, bzw. oben „Jakob-Mierscheid-Steg heißt, bezeichnet der Volksmund als „Höhere Beamtenlaufbahn“, weil dort kein normalsterblicher Bürger laufen darf, sondern nur Abgeordnete. Im Paul-Löbe-Haus sind viele Abgeordneten-Büros und eine Kantine untergebracht, im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ein großer Anhörungssaal, die Bibliothek und die Parlamentarischen Dienste des Bundestages. Also müssen die Abgeordneten notgedrungen darüber, obwohl ich mir schon vorstellen kann, dass man keine Höhenangst haben darf.

Der untere Steg dient als Fußgängerbrücke dem öffentlichen Verkehr. In unserem Bericht über eine Berliner Stadtführung zeigen wir Ihnen die grandiose Aussicht von dieser Brücke über das Parlamentsviertel. Schwer vorzustellen, dass hier einmal die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten verlief.

Bundespressekonferenz

Das Gebäude rechts ist die Bundespressekonferenz

Der Name hört sich an, als ob das Gebäude nur für wenige Pressekonferenzen genutzt wird. Da fragt sich der Normalbürger: „Warum ein so riesiges Gebäude, für seltene Anlässe?“. Aber falsch gedacht. Die BPK ist ein Zusammenschluss von Journalisten, die ausschließlich für deutsche Medien überwiegend aus Berlin berichten. Sie ist ein Verein, die Vertreter der Bundesregierung, von Parteien usw. zu Pressekonferenzen einläd, um sie dort zu befragen.

Seit dem Jahr 2000 besitzt der Verein dieses Gebäude im Zentrum Berlins, das auch Büros für Korrespondenten zur Verfügung hält. Hausherr sind also die Journalisten selbst, was eigentlich unüblich ist. Dadurch haben die Politik und auch andere Verbände oder Parteien ein kleines Problem. Können sie bei Pressekonferenzen in eigenen Räumen zum Teil vielleicht besonders kritische Journalisten ausschließen, um deren Fragen auszuweichen, ist das hier nicht möglich. Dadurch erscheinen viele Interviewpartner eher selten in der Bundespressekonferenz, sondern veranstalten eigene Konferenzen in eigenen Räumen. Die Bundeskanzler kommen meist nur einmal im Jahr, Unser früherer Außenminister Joschka Fischer versuchte es stets zu vermeiden zu erscheinen. Drei Mal wöchentlich steht aber zumindest der Pressesprecher der Bundesregierung Rede und Antwort. Übrigens könnten theoretisch Gäste der PK Antworten als „vertraulich“ kennzeichnen, woran sich die Journalisten in einer freiwilligen Selbstverpflichtung sogar halten würden.

Dieses Bild zeigt nicht nur hinten links die Bundespressekonferenz, sondern auch davor unsere nächste Etappe, die Kronprinzenbrücke.

Kronprinzenbrücke

Sie verbindet die Ortsteile Mitte und Tiergarten mit dem Regierungsviertel. Vorläufer waren mehrere andere Brücken, die immer wieder ein wenig verlegt wurden. Die erste Kronprinzenbrücke wurde 1879 fertiggestellt. Es war eine schmiedeeiserne Fachwerkbogenbrücke. Sie wurde im Frühjahr 1945 schwer beschädigt und erst nur provisorisch wieder instandgesetzt. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde die Brücke nicht mehr benötigt und gesperrt., 1972 dann abgerissen. Erst nach der Wiedervereinigung plante man den Wiederaufbau der Kronprinzenbrücke. Interessant ist die stählerne Konstruktion, muss sie doch eine Stützweite von 75,22 Metern halten. Der Schiffsführer sagte allerdings, zu genau dürfe man nicht hinschauen, denn man entdeckt dann eingeschlagene Lampen und verrostete Elemente.

Kronprinzenbrücke auf der Seite des Bundestages

Die Lampen waren seinerzeit vom Architekten in Bordsteinstufen und Geländer integriert worden, auch unter der Brücke wurde durch in Brückenpfeiler integrierte Lampen beleuchtet. Doch aufgrund von Vandalismus und Anfahrtsschäden sind die Lampen wohl oft kaputt. Übrigens gibt es in Berlin 900 Brücken, der Hinweis zu Beginn auf Venedig ist also nicht ganz so abwegig. und die Kronprinzenbrücke ist symbolisch eine der Wichtigsten, war sie doch der erste Brückenneubau, der nach der Wende Ost-und West wieder verband.

Hauptbahnhof Berlin

Er ist der größte Turmbahnhof Europas. Turmbahnhof bedeutet, dass sich kreuzende Eisenbahnstrecken übereinanderliegend verbunden werden. Ganz früher hatte man konkurrierende Eisenbahngesellschaften, die auf verschiedenen Ebenen angelegt wurden.

Mehr als 300000 Reisende täglich bedeuten den 5. Platz in Deutschland. Er steht nördlich des Spreebogens, dort war schon von 1868 bis 1951 der Lehrter Bahnhof und von 1882 bis 2002 der Lehrter Stadtbahnhof angesiedelt. Der Bahnhof hat zwei etwa gleichartige Haupteingänge. Im Norden mit dem Europaplatz und im Süden mit dem Washingtonplatz, den man auf meinen Bildern sieht. Darum herum sind viele weitere Gebäude geplant, vorwiegend auch Hotels.

Washingtonplatz

Der Washingtonplatz wurde erst mit dem Neubau des Berliner Hauptbahnhofs angelegt. Er ist rund 18000 qm groß. Bereits 1932 gab es einen Bahnhofsvorplatz der nach George Washington benannt wr, damals als Platz vor dem Lehrter Bahnhof.

Seit Anfang 2015 steht auf dem Washingtonplatz ein interaktiver Buddy Bär. Er leuchtet und wechselt die Farbe, sobald man ihn umarmt. Was ein Buddy Bär ist? Eine bemalt lebensgroße Bärenskulptur aus Kunststoff. Er und 349 seiner Kollegen wurden im Rahmen einer Ausstellung im Jahr 2001 über ganz Berlin verteilt aufgestellt. Eigentlich eine einmalige Aktion in diesem Jahr. Er kam bei den Bürgern aber so gut an, dass die Aktion immer wieder verlängert wurde. Wir bekamen von unserem Häuslebauer, der einen Sitz in Berlin hat, zur Einweihung ein kleines Exemplar geschenkt, weil er wusste, dass wir Bären sammeln.

Zukünftig wird der Platz z.B. von einem kubusförmigen Bau dominiert. Das Cube Berlin wurde dort gerade gebaut, als wir vorbeifuhren und 2020 eröffnet. Ich habe einmal nachgelesen. Es ist ein zehngeschössiges Gebäude mit einer Breit, Höhe und Länge von 42,5 Metern, dass besonders auffällig sein soll, weil es eine nach innen gefaltete Glasfassade hat und dadurch unheimlich spiegelt. Hinter dem Glas verbergen sich auf jedem Obergeschoss kleine Terrassen, die aber nur den Mietern zur Verfügung stehen.

Cube Berlin: Die Baukosten betrugen rund 100 Millionen Euro. Die Fertigstellung verzögerte sich infolge der Finanzkrise des Jahres 2008 um viele Jahre, der Baubeginn erfolgte erst im Jahr 2017

Im Erdgeschoss sind auf rund 1000 Quadratmeter gastronomische Einrichtungen ein. Verzeihung für mein Bild, dass diese Optik so gar nicht wiedergibt. Aber die Bilder, die ich nach der Eröffnung im Internet sah, sind schon grandios. Das ist ein Gebäude, das ich mir bei unserem nächsten Besuch auf jedenfall noch einmal ansehen werde. Übrigens ist da auch modernste Technik verwirklicht. Man soll mit Mobiler App als Mieter die Tiefgaragenschranken genauso wie das Foyer öffnen können. Personen können über diese App im Haus gefunden werden und der Fahrstuhl fährt automatisch in die Etage, in der man sein Büro hat. Die Sonnenenergie die durch die Einstrahlung entsteht wird zur Kühlung der Frischluft eingesetzt. Besondere beschichtete Fensterscheiben verringern das Aufheizen des Gebäudes. Das scheint wahrlich das Bauen der Zukunft zu sein.

Auf der anderen Seite kommt erst der Spreebogenpark, der nur unbebaut ist, weil man seinerzeit das Bürgerforum nicht gebaut hat. Dann die

Moltkebrücke

Sie ist eine Auto- und Fußgängerbrücke mit Stahlkontruktion auf Steinpfeilern aus rotem Sandstein. Sie verbindet das Regierungsviertel im Spreebogen mit Moabit. Benannt ist sie nach Helmuth von Moltke dem Chef des Preußischen Generalstabes von 1857-1888. Gebaut wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts und nach Kriegbeschädigungen 1947 wieder in Betrieb genommen. Eine Restaurierung erfolgte 1983-86. Etwas weiter oben stand bereits 1851 eine hölzerne Drehbrücke um den damaligen Hamburger Bahnhof mit dem Potsdamer Bahnhof zu verbinden. Da die Holzbrücke schnell baufällig wurde errichtete man südlich davon die erste schmiedeeiserne Dreigelenkbogenfachwerkbrück Deutschlands. Aber auch die verformte sich in kürzester Zeit, weil die Fundamente wohl für die Bahngleise nicht stark genug waren. Sie wurde also 1884 geschlossen und 1887 abgerissen. An die Stelle wurde dann die heutige Moltkebrücke gebaut. Allerdings in Massivbau, weil man von Metallkonstruktion und Holz nach den Problemen genug hatte. Es entstand eine massive Gewölbebrücke mit drei großen Mittelbögen. 1891 war sie fertiggestellt. Zur gleichen Zeit starb der Namensgeber. Die Einweihung erfolgte mit der Überführung des Sarges von Moltke zum Lehrter Bahnhof.

Über den Skulpturen auf den Brückenbalustraden erheben sich Bronzelaternen, deren Schäfte von jeweils drei Kindern mit römischer Soldatenkleidung und -bewaffnung umgeben sind.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden sogar bronzene Schmuckelemente der Brücke und Laternen abgebaut und eingeschmolzen. Außerdem wurde der südliche Brückenbogen gesprengt, damit die Rote Armee nicht zum Reichstagsgebäude kommen konnten.

Eine umfassende Restaurierung fand schließlich in den Jahren 1983 bis 1986 statt. Der südliche Brückenbogen wurde rekonstruiert. Man baute eine Stahltragkonstruktion ein, die der gewachsenen Belastung gerecht werden sollte. Erhaltene originale Sandsteinteile wurden bei der Rekonstruktion in das Ensemble integriert. Bei den Restaurierungsarbeiten entdeckten die Arbeiter in einem Brückenpfeiler einen 1889 eingemauerten Kasten, dessen Inhalt Auskunft über Planung, Kosten und Bau der Brücke enthielt. Also so etwas wie heute ein Grundstein. Die Skulpturen der Brücke nehmen Bezug auf die militärischen Leistungen von Moltke.

Unmittelbar an das südwestliche Brückenende schließt das Gelände Bundeskanzleramtes an.

Bundeskanzleramt

Ein äußerst interessanter Bau, der von den Berlinern liebevoll als „Waschmaschine“ bezeichnet wird. Ganz oben befindet sich die Skylobby. Von dort aus führen zwei runde Treppen auf eine runde Zwischenebene. Von der runden Zwischenebene aus führen zwei weitere runde Treppen zur nächst tieferen Etage. Die Optik erinnert an die Zentrifugalwirkung des Wassers im Schleudergang eines Waschvollautomaten.

Das Bundeskanzleramt ist schon ein beeindruckendes Gebäude. Leider nicht zu besichtigen. Wir hätten gern gewusst, wie das viele Glas von innen wirkt. Es wurde von 1997 bis 2001 gebaut. In Auftrag gegeben von Kanzler Helmut Kohl, konnte es aber erst im Mai 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder bezogen werden. Der Bezug schloss den Regierungsumszug von Bonn nach Berlin ab. Das gesamte Areal sind mehr als 70000 qm. Übrigens ist Gebäude nicht nur extreme 36 Meter hoch, sondern auch mit 25000 qm Nutzfläche achtmal so groß wie das Weiße Haus in Washington.

Es gibt 8 Ebenen, wie ich auf den Seiten offiziellen Seiten nachlesen konnte.

  • Erdgeschoss: Das Foyer für Fototermine mit Gästen.
  • 1. Etage: Internationaler Konferenzraum mit 32 Plätzen und Sitzplätzne für 200 Journalisten.
  • 2. und 3. Etage: Technikräume, Küche, Weinkeller usw
  • 4. Etage: abhörsichere Räume für den Krisenstab, sowie Planungszentrum und Archiv
  • 5. Etage: Großer Bankettsaal für Empfänge und Festessen. Büro des Staatsministers
  • 6. Etage: Kleiner und großer Kabinettsaal
  • 7. Etage: Arbeitszimmer des Bundeskanzlers mit Fenstern in Richtung Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor, sowie Sekretariat und das Büro des Kanzleramtschefs
  • Zwischen 7. und 8. Etage: „Skylobby“.
  • 8. Etage: Kanzlerapartment mit Wohnraum, integrierter Küche und Schlafzimmer im Süden.

Zum Hubschrauberlandeplatz

In den Seitenflügeln befinden sich 300 Büros von je 20 m² und 13 Wintergärten. Jenseits der Spree im gelegenen Kanzleramtspark befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz. Insgesamt arbeiten 500 Mitarbeiter dort. Es ist schon ein ganz großer Aufwand nötig, um ein Land wie Deutschland reibungslos zu regieren.

Angeblich soll für das Bundeskanzleramt ein Erweiterungsbau geplant sein, um weitere 400 Büros sowie eine Kindertagesstätte und eine weitere Kantine zu ergänzuen. Der Hubschrauberlandeplatz soll dann auf das Dach des Gebäudes verlegt werden. Baubeginn wahrscheinlich 2023 vorgesehen, Fertigstellung 2027 oder 2028.

Kanzleramtssteg

Der Kanzleramtssteg in Mitte ist nicht öffentlich zugänglich und doch für alle Augen sichtbar.

Nur einmal im Jahr darf das Volk den Kanzleramtssteg betreten – wenn die Kanzlerin zum Tag der offenen Tür einlädt

Der Park ist über den Kanzleramtssteg, eine doppelgeschossige Brücke, für Fußgänger und Fahrzeuge erreichbar. Er ist nicht öffentlich zugängig. Er dient nur Mitgliedern der Bundesregierung und ihren Gästen. Er ist ähnlich gebaut wie der Marie-Elisabeth-Lüders-Steg und verbindet hier die fünfte und sechste Etage des Bundeskanzleramtes mit dem nördlichen Spreeufer und dem Hubschrauberlandeplatz der Regierung. Er besteht aus einem oberen Fußgängerweg und einer unteren Fahrstraße. Ein kleines Stück weiter sehen wir auf derselben Seite die

Kongresshalle – Haus der Kulturen

Sie ist für Veranstaltungen und Ausstellungen gedacht. Ein sehr ungewöhnlicher Bau, der die „Berliner Schnautze“ viele Kosenamen erfinden lies. Der Schiffsführer nannte als bekannteste „Schwangere Auster“ und „Jimmy Carters Lachen“. Beides kann man in der Form tatsächlich erkennen. Die Kongresshalle wurde 1956/57 gebaut und war der Beitrag der USA zur Intarnationalen Bauausstellung Interbau 1957. 1958 wurde die „Benjamin-Franklin-Halle“ als Geschenk der Stadt Berlin übergeben. Also ganz im Sinne einer Deutsche-Amerikanischen Freundschaft. Allerdings teilte man sich unter Freunden auch die 19 Millionen DM Baukosten. Von Anfang an wurde die Halle stark beleuchtet, auch in der Nacht, sie sollte ein „Leuchtfeuer der Freiheit“ sein. Im Grunde war die Kongresshalle als Propagandabau gedacht. Sie stand nah an der Grenze zur Sowjetischen Zone und wurde absichtlich noch auf einen aufgeschütteten Hügel gesetzt, damit sie im Osten auch auf jeden Fall zu sehen ist. Schon damals erwartete man, dass irgendwenn in unmittelbarer Nähe die Regierungsbauten entstehen würden.

Das Dach ist mit vielen Stahlseilen an Stahlbögen aufgehängt und überdacht ca. 1000 Stizplätze. 1980 stürzte das Dach teilweise ein und wurde 1987 wieder aufgebaut. Es handelte sich bei dem EInsturz wohl um schlechte Planung des Daches, bzw. statische Fehler, die Wind, Schnee und schwankende Temperaturen wohl nicht gut berücksichtigt hatten..

Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz und beherbergt das Haus der Kulturen mit Ausstellungen internationaler Künstler.

Moabiter Brücke

Wir kommen nun unter der Moabiter Brücke durch, auf der rechten Seite ist ein Bär auf der Steinbrücke. Er ist einer von vier gusseisernen Bären des Künstlers Günter Anlauf, die seit 1981 wieder zu sehen sind. Die ursprünglichen wurden im Zweiten Weltkrieg wohl eingeschmolzen. Die Moabiter Brücke ist auch als Bärenbrücke bekannt. Dort stand bereits seit 1821 eine Holzbrücke, die aber mehr oder weniger eine „Privatbrücke“ des Hofzahnarztes war, finanziert aus einer von ihm errichteten Brückenbau AG. Man muss da wohl früher sehr gut verdient haben. Dann wurde Mitte des 19. Jahrhunderts die Johanniskirche gebaut und die Brücke später von der Stadt Berlin übernommen. Bis 1870 war die Boabiter Brücke die einzige Verbindung zwischen Berlin Citi und der Gemeinde Moabit. Erst 1894 wurde eine steinerne Brücke errichtet. Der Magistrat Berlins lies dann vier Bronzebären von vier Künstler aufstellen. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört und dann Ende der vierziger Jahre wieder zu aufgebaut, wie sie 1894 aussah. Nun kommt rechter Hand der

Spree-Bogen

Der überwiegende Teil des Spree-Bogens ist nach Süden ausgerichtet und mit einem einmaligen Blick auf die Spree oder den Tiergarten ausgerichtet.

Um den zu erklären muss ich erst ein wenig ausholen. Nachdem bei einer Führung Bolle Meierei erwähnt wurde, habe ich dazu einmal im Internet recherchiert. Die Meierei C. Bolle war ein 1879 von Carl Bolle gegründetes Milch-Einzelhandelsgeschäft. Zu der Zeit war Berlin sehr stark gewachsen und benötigte viel Produkte wie Milch, Butter, Fleisch, Gemüse und Obst. Die kleinen Bauern konnten aber so viel nicht immer liefern. Carl Bolle, Besitzer einer Baumschule, begann erst mit einer Milchbar, später folgten Milchmädchen, die mit Kannen und Handwagen durch die Stadt zogen.

Wo früher in den Backsteingebäuden die Kutschwagen mit frischer Milch beladen wurden, haben sich Medien- und Dienstleistungsunternehmen angesiedelt.

1881 folgten dann Pferdgespanne mit einem Jungen als Kutscher und einem Milchmädchen, das die Milch austrug und gleich kassierte. Sie waren auch das was, man heute vielen Friseuren nachsagte, nämlich die „Tageszeitung der Umgebung“. Übrigens soll durch Bolle auch der Ausdruck „Milchmädchenrechnung“ entstanden sein, eine Art Fingerrechnung. Denn die Milch musste schnell verkauft werden um nicht sauer zu werden, aber die Milchmädchen waren meist von niederer Bildung und schlechte Rechner. Wenn die nun von Kunden bei der Abrechnung betrogen wurde, dann passte der finanzielle Milcheinkauf, nach Abzug des Verderbs nicht zum Erlös beim Verkauf. Also würde man heute sagen, war alles eine Milchmädchenrechnung. Anna Schnasing war eine von vielen Milchverkäuferinnen, also ein „Bolle-Mädchen“. Sie soll  zwischen 1879 und 1883 frische Milch an Hausfrauen in der Innenstadt verkauft haben und wurde durch eine besondere Fingerfertigkeit bekannt. Aber das würde hier nun zu weit führen. Sollte Sie das genauso interessieren wie mich, dann schauen Sie mal unter diesem Link bei Wikipedia.

Auf jeden Fall wurde Bolle ein riesiges Milchunternehmen, mit über 1000 Angestellten und 250 Wagen. 1879 wurde ein Firmengelände in Alt-Moabit errichtet, wo die aus mehreren 100 Kilometern Umgebung per Zug angelieferte Milch verarbeitet wurde. Es gab ja schließlich noch keine Kühlung wie heute, weshalb alles schnell vor Ort erfolgen musste, damit die Milch nicht sauer wurde. Carl Bolle wurde sehr reich und baute für seine Angestellten sogar Mietskasernen und erhielt den Titel eines Geheimen Kommerzienrates. 1969 wurde die Produktion dort eingestellt.

In dem hufeisenförmigen Bau mit den zwei Glastürmen hatte bis 2015 das Bundesministerium des Innern ihr Domizil.

Ein Ernst Freiberger kaufte das Gelände 1994 und entwickelte auf dem alten Gelände den Spree-Bogen, ein Büro- und Gewerbepark. Da auch Berlin immer mehr gewachsen war, lag das riesige Firmengelände natürlich nicht mehr außerhalb, sondern mittlerweile mitten in Berlin. Ein einzigartiges Grundstück mit ruhiger Lage direkt an der Spree.

Auf dem Gelände ließ Ernst Freiberger ab 1971 Speiseeis herstellen. Er kaufte außerdem eine Pizza-Bäckerei, in welcher Tiefkühlware wie Pizza, Baguette und Pasta produziert wurde und Freiberger wurde zu einem der größten Tiefkühlkostanbieter Europas. Links das verglaste Gebäude des Hotels Abion Spreebogen Waterside.

Ab 2010 erarbeitete sein Sohn zusammen mit dem Hotel Abion ein neues Konzept. Dabei wurden viele alte Räume zwar saniert, aber weitgehenst erhalten. Es wurde sogar in Erinnerung an Bolle historische Milchfläschchen nachgearbeitet und zu drei großen Kronleuchtern verarbeitet. Es entstand aber nicht nur „Vier Sterne Hotel Abion AMERON Spreebogen Waterside“, sondern auch der Spree-Bogen. So – nach langem Vorgeplänkel komme ich jetzt zu dem, was Sie auf den Bildern bereits gesehen haben, dem Spree-Bogen, der urbanes Leben und Arbeiten verbinden soll. Auf 13 Etagen sind in diesem grandiosen Gebäude viele Unternehmen und Ärzte angesiedelt und die restaurierten Bolle Festsäle bieten Räumlichkeiten und zwei Säle für Galas, Tagungen und Kongresse. Noch eines zum Abschluss: Kennen Sie den Satz: „Sich wie Bolle freuen“, für „sich vortrefflich amüsieren“. Das gibt es auch als „sich wie Bolle auf dem Milchwagen freuen“. Jetzt wissen Sie, wo der herkommen könnte.

Westfälisches Viertel

Das liegt im Süden Moabits und wir fahren nun daran vorbei. Ein fast reines Wohnviertel, der Name kommt von den Straßennamen, die Essen, oder Dortmund usw. in der Benennung führen. Von 1849 bis 1898 war dort das Eisenwerk der Firma Borsig angesiedelt. Erst mit Schmiedearbeiten und Kesselblechen für Lokomotiven, später mit Lokomotivbau direkt. Ab 1902 wurden die Grundstücke erschlossen und für den Aufbau eines Wohnviertels freigegeben. Benannt wurden die Straßen 1904 nach Städten aus dem Rheinisch-Westfälischem. Man baute damals fast durchweg fünfgeschossige Wohnhäuser.

Gymnasium Tiergarten

kommt nun auf der linken Seite, also gegenüber dem Westfälischen Viertel.

Da wurde eine industriell geprägte Fläche einer neuen Wohnbebauung in direkter Wasserlage zugeführt. Am Spreeufer in direkter Nachbarschaft zur Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM)baut eine irische Firma ein Ensemble mit zwei unmittelbar am Wasser gelegenen Wohntürmen und dreizehn eleganten Stadthäuser. Toplage!

Die moderne Fasssade des 1971 errichteten Neubaus rechts lässt zunächst nicht vermuten, dass im daneben gelegenen Altbau des Gymnasiums in Tiergarten seit über 100 Jahren unterrichtet wird.Der Altbau war ursprünglich in eine Bebauung entlang des Spreeufers integriert. Auf der gleichen Seite kommt danach ein Neubau am neuen Wilhelm-Caspar-Wegely-Platz. Er schließt eine Baulücke und nennt sich „No.1 Charlottenburg“ und hat insgesamt 272 Wohnungen in exklusiver Lage. Richtfest war Oktober 2018. Aber es entstand ein komplettes Wohngebiet um eine, für alle Berliner freizugängige Grünfläche.

Die Gebauer Höfe

Abseits vom Trubel der Stadt, direkt am Ufer der Spree – wo der Kaffee noch selbst verarbeitet wird – kann hier im Café Einstein ein Kaffee genossen werden.

Das fünfgeschossige Speicherhaus (Gebäude 60) mit Mansarddach wurde vom Architekten Julius Lichtenstein im Jahr 1910 auf der Nordseite des Fabrikgeländes geplant und realisiert.

kommen als nächstes. Das sind Backsteingebäude, die Ende des 19. Jahrhunderts von der Bleicherei und Maschinenfabrik gebaut werden. Es sind ca. 20000 qm. Die Ziegelsteinbauweise waren zu der damaligen Zeit charakteristisch. Das älteste Bauwerk ist von 1865. Nach Auflösung der Textilmaschinenfabrik wurden die Gebäudeteile unterschiedlich genutzt. Ab dem Jahr 1990 begann eine umfassende Sanierung des Werkkomplexes und zwei achtgeschossige Bürogebäude wurden hinzugebaut. Heute hat man in der Fläche Gewerbebetriebe und einen Biergarten angesiedelt. Die historischen Gebäude liegen in Charlottenburg, heute ein Stadtteil von Berlin, damals allerdings selbstständig.

 

Die Erlöserkirche

liegt wieder gegenüber, also auf der Moabiter Seite. Sie wurde 1909-1912 erbaut und ist eine evangelische Kirche,

Sie ist von der Spree aus sehr schön zu sehen. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Berliner Einwohnerzahl durch die Industrialisierung sehr gestiegen. Diese Industrialisierung war gerade in Moabit sehr groß, wie man an meinen Erklärungen bei den bisherigen Gebäuden sehen kann. Dadurch gab es einen starken Zuzug von Arbeitskräften aus anderen Landesteilen. In Moabit waren dadurch auch 1000e Evangelische Arbeiter zu betreuen. So beschloss man 1904 den Bau einer neuen Kirche. Grunsteinlegung war 1909. Dieser Bau dauerte, oh welch ein Wunder, nur 17 Monate. Als die Erlösergemeinde dann 1912 selbstständiger Kirchenbezirk wurde, hatte man schon 14000 Mitglieder. Auch diese Kirche wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs hin stark beschädigt und ca. 1956 nach Originalplänen neu aufgebaut.

Spreekreuz

Moabit eine Insel: Die Spree im Süden, der Charlottenburger Verbindungskanal im Westen, der Westhafenkanal im Norden und der Spandauer Schifffahrtskanal im Osten

Hier treffen die Spree, auf der wir fahren, von links der Landwehrkanal und von rechts der Charlottenburger Verbindungskanal aufeinander und geradeaus geht dann die Spree weiter

An beiden Seiten des Kanals gibt es einen gut angelegten Uferwanderweg mit Rastmöglichkeiten. Ich schrieb ja am Anfang, dass Berlin fast wie Venedig von Flüssen und Kanälen durchzogen ist. Hier macht sich das besonders bemerkbar. Moabit ist eigentlich eine Insel, also von allen Seiten von Wasser umgeben.

Siemenssteg

Wir bleiben aber auf der Spree und kommen zum Siemenssteg. Das hört sich klein und nicht beachtenswert an. Es ist auch nur eine Fußgängerbrücke, aber was für eine. Schauen Sie sich einmal diesen Aufwand mit den Türmen an. An den Brückenköpfen befinden sich je zwei 10 Meter hohe Sandsteinpylone. Der Steg wurde mit dem Bau des Elektrizitätswerks 1899-1900 gebaut.

77 Meter lange und 3,50 Meter breite Bogenbrücke in Metallkonstruktion

Man wollte nicht nur Fußgänger über die Spree bringen, sondern auch die elektrischen Leitungen nach Charlottenburg führen. 1900 eingeweiht, gab man dem Steg den Namen des Fabrikanten Werner von Siemens, der in der Nähe wohnte. Und es war endlich mal eine Brücke, die im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, weil es halt nur eine Fußgängerbrücke war und keine strategische Bedeutung hatte. 1960 musste sie aber dennoch saniert werden. Bauherr der Brück war die Elektrizitäts-AG. Sie baute auch das Charlottenburger Elektrizitätswerk, zu dem wir jetzt kommen.

 

Das Kraftwerk Charlottenburg

Lastkähne versorgten das Kraftwerk über die Spree mit Kohle und wurden, ab 1911 von einem fahrbaren Kran, auf dem Spreebord entladen

Schon nach kurzer Zeit reichte die Kapazität des Kraftwerks nicht mehr aus, um die steigende Nachfrage zu befriedigen, und ein Ausbau begann.

ist heute Tochter von Vattenfall. Auftraggeber und Geldgeber des Baus war die damals noch selbstständige Stadt Charlottenburg. Kurios ist der Grund des Baus. Denn der Anlass war, dass die Berliner Elektrizitätswerke ein Kabel zur Beleuchtung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche verlegte. Man war halt im Wettstreit mit Berlin und wollte mitmischen. Und weil auch private Bürger an dieses Kabel angeschlossen werden wollten, zudem die elektrische Straßenbahn wohl auch an die Berliner Konkurrenz ginge, musste man handeln. Man wollte außerdem eine Straßenbeleuchtung, die das bisherige Gaswerk von der Kapazität nicht mehr erfüllen konnte.

Boot auf der Spree

Das Kraftwerk sollte laut Beschluss zunächst für zehn Jahre an eine private Betreibergesellschaft verpachtet werden, die sich im Gegenzug verpflichtete, ein Elektrizitätswerk zu erbauen, welches ausreichte für den Anschluss von 25.000 Glühlampen und für die Versorgung von Straßenbahnen. Aber bereits 1902 waren die angeschlossenen Glühlampen bereits bei 62000 und 1904 bei 131000 Stück. Man kam also überhaupt nicht nach mit dem Ausbau. Es musste also immer wieder vergrößert und erneuert werden. 2006 konnte dann die Kohlenentladung mit Kran abgeräumt und zu einem Uferweg umgebaut werden. Die nächste Brücke ist

die Schlossbrücke.

An dieser Stelle wurde 1709 eine einfache Holzbrücke gebaut. Die war nötig geworden, weil man zum kurfürstlichen Schloss bei Lietzow aus Berlin nur mit einer Fähre übersetzen konnte, was recht mühsam war.

Kolorierte Ansichtskarte der Schloßbrücke, um 1903

Aber natürlich wurden die Anforderungen an die Belastbarkeit mit der Zeit und dem ansteigenden Verkehr immer größer. So wurde die Brücke immer mehr verstärkt, verbreitert, aber auch mit Klappen im mittleren Bereich für den Schiffsverkehr versehen. Sie hieß damals noch „Berlinische Brücke“.

Heute eine recht schmucklose, relativ normale Brücke.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts, baute man, um den wirtschaftlichen Aufschwung nicht durch die mangelnde Belastbarkeit einer Brücke zu gefährden, eine massive Steinbrücke. Auch die Straßenbahn konnte darüber geleitet werden. Diese Brücke wurde zum ersten Mal Schlossbrücke genannt. Doch bereits nach zwei Jahrzehnten traten gravierende Baumängel auf, die nur mit viel Geld hätten behoben werden können. Deshalb riss man sie ab und errichtete 1926 dann eine massive Bogenbrücke als Eisenkonstruktion. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört und dann später gehoben und 1946-49 wieder aufgebaut. Unten am Charlottenburger Ufer sind mehrere Anlegestellen von denen aus auch Besichtigungsfahrten auf der Spree gemacht werden können.

Dann ging es lange erst einmal durch die Landschaft, schließlich verlassen wir die Spree und fahren auf dem Westhafenkanal  in Richtung Westhafen, um wieder in zur Innenstadt zu kommen. Wir kommen nach einiger Zeit auf die Drei Westhafenbecken zu , so eine Art Anlege- und Endladestelle, mit Bahnanschluss.

Blick auf das Berliner Westhafen-Gelände, den Sitz der BEHALA in Berlin-Moabit. Dies ist ein Zollspeicher. Er , weil man einen gut kontrollierbaren Standort brauchte. Denn die im Zollspeicher gelagerten Importwaren blieben so lange unverzollt, bis sie einen Käufer fanden. Und da sollte ja nichts unverzollt abhanden kommen. Die Waren konnten mit zwei Kränen auf die Laderampe geschafft und im Inneren des Gebäudes durch Lastenaufzüge weitertransportiert werden.

Westhafen

Mittig steht direkt am Wasser der Zollspeicher der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft. Die BEHALA ist Betreiberin mehrerer Binnenhäfen und Lagerhäuser und sorgt dafür, dass der Berliner Industrie Lagermöglichkeiten, Güterumschlag und Transporte in alle Welt angeboten werden können. Sie vermieten auch zahlreiche Immobilien im Hafen. Sie gehört dem Land Berlin.

Schrottlager

Rechts vom Gebäude der Behala fahren wir in einen dieser Hafenkanäle. Zuerst sehen wir ein Schrottlager, bzw. ein Lagerhaus.

Lagerhaus

In Berlin wurden Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen 1906 und 1923 mehrere Häfen ziemlich zeitgleich gebaut. Ein finanzieller Aufwand, den die Stadt selber nicht leisten konnte.

Hafenbecken und das BEHALA-Verwaltungsgebäude im Hintergrund mit dem 52 Meter hohen Turm. Rechts hat der Kapitän glaube ich gesagt ist ein Getreidespeicher

Daher wurden die Häfen an eine 1923 gegründete Aktiengesellschaft verpachten.

Lagergebäude

Berlin selber konnte nur 25% halten und warb das restliche Geld bei Speditionsfirmen ein. Eine davon war zum Beispiel Schenker. Im zweiten Hafenbecken findet man auch wieder typische Lagerhallen und direkt vor uns das Behala-Verwaltungsgebäude mit dem hohen Turm. Der schlanke Turm, diente auch als Wasserturm. Er hat eine Aussichtsgalerie, und erinnert eigentlich an einen Rathausturm. Er ist von weiten sichtbar und ist somit das Wahrzeichen des Hafens.

 

Ein wenig Fakten noch zum Westhafen, damit ich meine Bilder auch alle noch unterbringen kann. Die Fläche sind 430000 qm und er ist somit der größte Hafen der Stadt. Er ist ein wichtiger Umschlagplatz für die Binnenschiffahrt. Es gibt für den Weitertransport der Güter auch einen direkten Anschluss an die Bahn. Das Gelände wurde von der STadt Berlin 1906 gekauft. Nachdem die Staatseisenbahn versuchte den Bau des Hafens zu verhindern, startete er erst im Jahr  1914.

Der Adler war oben an der Spitze der Wand des Lagergebäudes. Scheint auf Getreidelager hinzuweisen, wenn man die Ähren zwischen den Krallen sieht

Viele der Be- und Entladeeinrichtungen aus den 1920er Jahren, die das Bild des Hafens maßgeblich bestimmen, sind bis heute funktionstüchtig erhalten. Auch die zu beiden Seiten des mittleren Hafenbeckens aufgestellten Halbportalkräne, die auf Schienen fahrbar angeordnet sind und mit ihren drehbaren Maschinenhäusern dem Umladen des Stückguts dienen.

Dann aber gabe es auch gleich Probleme, weil der 1. Weltkrieg ausbrach. Wie schon geschrieben, wurde die BEHALA 1923 als Betreibergesellschaft gegründet und dann der Hafen im September desselben Jahres zum Teil eingeweiht.

1924 bis 1927 wurde weiter ausgebaut, sodass der Hafen zeitweise zweitgrößter Binnenhafen Deutschlands war. Im Zweiten Weltkrieg wurde mehr als die Hälfte des Hafens zerstört. Nur noch sechs von 35 Kränen waren in Ordnung. In den Anfängen der Fünfziger Jahre wurden die Schäden beseitigt. Im Jahr 2001 wurde eines der drei Hafenbecken wieder zugeschüttet.

Man brauchte Platz für die Speditionen. Die meisten Hafengebäude sind heute denkmalgeschützt. Beim Ausbau zu einem modernen Güterverkehrszentrum werden die alten Speicher- und Lagergebäude aber nicht mehr gebraucht. Mehrere Gebäude stehen heute leer. Der umgebaute Getreidespeicher beherbergt die Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bewahrt darin Archivalien und Bücher auf. Darunter knapp 100000 Titel, die nach Kriegsende von der Roten Armee aus deutschen Bibliotheken geraubt worden waren. Auf Weisung des georgischen Staatspräsidenten Eduard Schewardnadse wurden die nach Tiflis verschleppten Bücher im August 1996 ohne Gegenleistung an Deutschland zurückgegeben.

Wir fuhren dann in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal weiter Richtung Innenstadt und kommen zum

Heizkraftwerk Moabit

Kanalseite mit dem denkmalgeschützten Teil des Kraftwerkes

Die Berliner Elektricitäts-Werke kauften das Grundstück eines Petroleumlagers direkt am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Dieser Standort ließ sich vom Wasser aus mit Kohle beliefern und das Kraftwerk mit Kühlwasser versorgen.

Das Kraftwerk selber wurde 1899 bis 1901 gebaut. So konnte der Norden Berlins beliefert werden.

Hat auch was von einer Kirche, oder?

Über die Jahre wurde immer wieder erneuert und erweitert und oft auch die Art oder der Grundstoff für die Verstromung geändert. Irgendwann war es dann Steinkohle, die dazu diente Strom zu erzeugen. Seit 2013 ist zusätzlich Biomasse der Brennstoff, allerdings nur bis höchstens 40%. Heute gehört das Krafwerk zu Vattenfall.

Sie ahnen es schon, jetzt kommt unsere Schifffahrt ziemlich dem Ende entgegen. Langsam geht die Sonne unter.

Es wird viel gebaut in Berlin.

Bei uns setzte nun auch ein wenig Müdigkeit ein. Sie merken das daran, dass ich nun nicht mehr jedes Gebäude fotografierte, sondern nur noch sporadisch einige Bilder machte. Der Berlin Spandauer Kanal ging dann über den Nordhafen in den Humboldthafen am Hauptbahnhof vorbei und wieder in die Spree, ungefähr auf Höhe des Spreebogens.

Auch am Reichstag kamen wir dann noch einmal vorbei. Man kann in Berlin tatsächlich fast alle wichtigen Gebäude vom Schiff aus sehen. Berlin hat vom Charakter her wirklich etwas von Venedig. Somit war die Fahrt über 3 Stunden dann an der Friedrichstraße zu Ende und wir fuhren mit der Straßenbahn zurück in unser Hotel Estrel.

Sie sollten auf jeden Fall auch eine Schifffahrt in Berlin machen, man bekommt einen groben Überblick, wie die Stadt aufgeteilt ist und außerdem Appetit auf mehr. Als letztes jetzt unser Hotel bei Nacht. Grandios, oder??

.

Witzige Streetart in der Nähe des Hauptbahnhofs. Das Dog House malte One Truth Graffiti Street Art für das BerlinMuralFestival. One Truth erklärt dazu: „Wir malen für das „Berliner Wandfest“ mit Kreidespray auf den historischen Kornversuchsspeicher, ein denkmalgeschütztes Gebäude. Der Straßenhund mit Haus auf einer der größten Baustellen Europas ist eine Anspielung auf die Gentrifizierung in Großstädten weltweit.“

Somit war die Fahrt über 3 Stunden dann an der Friedrichstraße zu Ende und wir fuhren mit der Straßenbahn zurück in unser Hotel Estrel.

Sie sollten auf jeden Fall auch eine Schifffahrt in Berlin machen, man bekommt einen groben Überblick, wie die Stadt aufgeteilt ist und außerdem Appetit auf mehr. Als letztes jetzt unser Hotel bei Nacht. Grandios, oder??