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Gozo – Maltas kleine Schwester

 

Gozo – Maltas kleine Schwester

Auf dem Weg zur Fähre

Natürlich weiß ich, dass man auch die kleine Insel Gozo nicht an einem Tag erkunden kann, schon gar nicht, wenn man einen vorgebuchten Ausflug macht, der erst alle anderen Teilnehmer auf Malta einsammelt, um dann mit der Fähre rüberzufahren.

Einfahrt in den Hafen Gozo

Da ist der Vormittag schon fast vorbei, wenn man auf der Insel ankommt. Aber dennoch möchte ich ein paar Dinge zeigen, die wir gesehen haben.

Fähre Gozo-Malta

Also wie gesagt wir wurden am Hotel abgeholt und mit Gästen anderer Hotels zur Fähre gebracht, wo uns eine deutschsprachige Führerin erwartete. Dann ging es in einer dreiviertelstundigen Überfahrt zur Insel Gozo, wo uns ein Bus erwartete. Schon beim Einlaufen in den Hafen konnte man eine Kirche sehen, die den Hafenort überragt, die Kirche „Our Lady of Lourdes“. Wer glaubt Malta sei klein, der wundert sich, dass Gozo noch einmal um einiges kleiner ist.

Zuerst erzählte unsere Führerin, dass Gozitaner auf gar keinen Fall Malteser genannt werden wollen. Sie fahren zwar jeden Morgen rüber, um dort zu arbeiten, doch ist Malta eigentlich feindliches Ausland. Man hat auf Gozo einen eigenen Dialekt, und auch eine „fast“ eigene Geschichte. Die Einwohner sind sehr gläubig, man behauptet, die Bauern gehen täglich bei Sonnenaufgang erst in die Kirche und dann aufs Feld.

Hier ein Plakat, das ich am Eingang des Museums fotografierte.

Gozo ist die zweitgrößte Insel der Republik Malta.

Aus Sizilien sind im 5. Jahrtausend v. Chr. Menschen nach Gozo eingewandert. Mitte des 4. Jahrtausend, ab ca. 3600 vor Christus, errichteten sie dann in der Nähe des heutigen Ortes Xaghra auf einem 100 Meter hohen Hügel, nordöstlich von Victoria eine Tempelanlage  namens Ggantija (gesprochen: Dschantiia) mit zwei Tempeln. Sie sind damit noch vor dem berühmten Stonehenge und den Pyramiden erbaut worden und die ältesten freistehenden Gebäude der Welt. Die UNESCO hat sie zur Weltkulturstätte ernannt.

Im Museum am Eingang werden eine Anzahl Statuetten ausgestellt, die man bei Ausgrabungen fand. Die Tempel gehören zu einem Fruchtbarkeitsritus. Damit stehen auch die ausgestellten Figuren in Zusammenhang.

Wir kommen erst zu einem Besucherzentrum. Eine Riesin, die nichts als dicke Bohnen und Honig aß, trug ein Kind von einem Mann des einfachen Volkes. Mit dem Kind, das an ihrer Schulter hing, baute sie diese Tempel und benutzte sie als Orte der Anbetung.

Bei der Figur links soll es sich um zwei sitzende Frauen handeln. Eine davon hat ein Kind vor sich sitzen. So die Erklärung unserer Führerin. Rechts dann menschliche Figuren in Stein geschnitzt und unten die Fruchtbarkeitsgöttin, also die Große Erdenmutter von Ġgantija.

Erstaunlich ist, dass die Erbauer anscheinend ähnliche Vorstellungen hatten, wie bei Bauten in der Bretagne oder in England mit Stonehenge. Woher diese Verbreitung über solche Entfernungen? Rätselhaft ist die Megalithkultur auch heute noch, weiß man doch nicht, was diese riesigen Anlagen aus Stein bezwecken bzw. ausdrücken sollten; dienten sie nur kultischen Zwecken, oder gab es andere Gründe mit riesengroßen Steinen zu bauen? Schriftliche Quellen gibt es nicht, somit ist alles was man heute glaubt nur Annahme, Schlussfolgerung, also reine Spekulation und es kann auch alles ganz anders gewesen sein.

Die Löcher in der Steinplatte auf dem oberen Bild sollen höchstwahrscheinlich dafür gedient haben, eine Barriere am Eingang zu errichten, also so eine Art Einlasskontrolle, vielleicht mit Stangen, oder sogar eine Tür. Sie sind an beiden Seiten des Eingangs zu finden.

Die Megalithkultur auf Malta und Gozo endete abrupt ca. 2500 vor Christus. Man kann sich nicht erklären warum. Der Name Ġgantija kommt vom Wort „ġgant“, das steht in maltesisch für Riese. Die Gozitaner glaubten aufgrund der Größe der Kalksteine, dass die Tempel nur von Riesen erbaut sein können.

Es sind Steine dabei, die mehr als fünf Meter lang sind und nach Auskunft der Führerin bestimmt 5 Tonnen wiegen. Der Grund, dass die Tempelanlage bis heute überlebt hat, soll auch der sein, dass für die Außenmauern besonders strapazierfähiger Kalkstein verwandt wurde. Für die Innenausstattung nahm man dann glatteren Globigerina-Kalkstein. Also schon mit Überlegung gebaut. Hält ja alles auch schon länger, als mancher Bau in Deutschland.

Steintische bzw. Altar im Südtempel. Oben drauf, das können Brandspuren für evtl. Feuerrituale sein. Doch würden sich diese Spuren bis heute Wind und Wetter ausgesetzt erhalten, ich weiß es nicht. Unter dem Altar wurden laut unserer Führerin auch Tierknochen gefunden, die auf Opfergaben hindeuten.

Die Tempel bestehen aus mehreren Altarnischen, die an einen Mittelgang grenzen. Innen soll alles mit rotem Ocker verputzt gewesen sein. Es wurden Rituale mit Tieropfern abgehalten, jedenfalls hat man Knochenreste gefunden. Außerdem fand man auch Feuerstellen, was auf Benutzen von Feuer schließen lässt.

Die gesamte Anlage liegt auf einem ca. 100 Meter hohen Hügel über dem Ort Xaghra und ist nach Südosten ausgerichtet.

Auf diesem Bild kann man ganz unten einen ockerfarbenen Stein sehen. So soll angeblich die ganze Anlage farblich gewesen sein.

Ich habe nachgelesen, dass einige Steinplatten bis zu 60 Tonnen schwer sein sollen und das, obwohl zu der Zeit das Rad noch nicht erfunden war und es wohl auch noch keine metallischen Werkzeuge gab. Wie also erfolgte der Transport? Unsere Führerin zeigte uns im Eingangsbereich ein paar runde Steine und Rillen auf dem Boden. Man ist anscheinend der Meinung, dass ähnlich wie bei einem Kugellager, die Platten auf den Kugeln hingeschoben wurden.

 

Forscher sind der Meinung, zumindest die Altarbereiche waren einmal überdacht und der obere Bereich wurde später abgetragen. Am Eingang findet man senkrechte stehende Steinplatten wo oben drauf horizontale Steinplatten gelegt wurden.

Übrigens wussten Einwohner lange vor den Ausgrabungen im späten 18. Jahrhundert von der Existenz der Tempel. Aber erst im Jahr 1827 begann der damalige Gouverneur von Gozo mit der Ausgrabung. Leider anfangs recht unprofessionell und dilettantisch, indem er einfach die Trümmer vom Gelände räumen ließ. Damit ging aber der Boden und andere Dinge verloren, ohne dass man sie untersucht hatte. Ein deutscher Künstler hatte kurz vorher aber eine Skizze des Geländes gemalt. Damit weiß man wenigstens, wie es vor der Räumung dort aussah. Später verfielen die Ruinen bis man sie 1925 in eine Altertumsliste aufnahm. 1933 wurde das Gelände dem privaten Besitz enteignet und das Museum erforschte alles über Jahrzehnte.

In den 2000er Jahren wurden die Tempel restauriert. 2011 wurden in ihnen leichte Gehwege installiert, 2013 wurde ein Kulturerbe-Park eröffnet.

Hier ist schon das nächste Ziel erreicht, kurz bevor wir Mittag gegessen haben.

Wir fuhren von den Tempeln zum Mittagessen. In der Nähe wurde noch einmal Halt gemacht, um die wunderschöne Xlendi Bay an der Südwestküste Gozos anzusehen. Sie liegt am Ende einer tiefen Schlucht, die früher ein Flussbett war.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war Xlendi ein kleiner Fischereihafen und ein ruhiger Sommerferienort, mit nur wenigen Einheimischen.

Xlendi, ruhiger Sommerferienort.

Man konnte von der Straße ans Wasser hinuntergehen und hatte eine prima Aussicht auf die Klippen, das kristallklare Wasser und die Stadt.

Auf einem Hügel befindet sich die Sant Anna Kapelle. Innen soll sie sehr schlicht gehalten sein und der Hauptaltar soll die Jungfrau Maria zeigen, welche von ihrer Mutter St. Anna unterrichtet wird.

Oben noch an der Xlendi Bay, der Rest der Bilder wurde nach dem Mittagessen aufgenommen. Da machten wir in der Nähe des „Azure Window“ Halt.

Die größte Sehenswürdigkeit der Gegend. Die war leider im Jahr 2017 eingestürzt.

Sant Anna Kapelle

Von unserem Haltepunkt aus konnte man den „Inland Sea“ sehen. Das ist ein natürlicher Salzwassersee, der über einen Tunnel mit dem Mittelmeer verbunden ist. Einige Mitreisende fuhren mit einem Boot durch. Die Klippen bestehen aus Globigerinenkalk, das ist eines der härtesten und ältesten Gesteine der Insel. Der See hat sich wohl durch eine eingestürzte Höhle gebildet. Die 30 Meter tiefe Mulde hat sich dann mit Meerwasser gefüllt. Der Tunnel ist ca. 100 Meter lang und hat 40 Meter hohe Wandungen.

Die Fischerhütten können nur eine Notlösung sein, die machen nicht den Eindruck, als ob da jemand auf Dauer wohnen könnte.

Basilika San Ġorġ

Der letzte Halt war dann die Hauptstadt der Insel Gozo,  Victoria mit ca. 6800 Einwohnern. Von den Gozianern wird sie noch immer liebevoll mit dem arabischen Namen Rabat genannt, was Vorstadt heißt.

Vorab schon mal etwas zu dem obigen Bild mit der Glocke. Das kommt davon, wenn man die größte und schönste Glocke haben will, aber das vorher nicht plant. Man muss dann unorthodox eine Kerbe in den Turm machen, damit sie überhaupt in den Glockenturm passt und sich bewegen kann.

Erst 1897 wurde die Stadt in Victoria umbenannt und zwar auf Antrag des Bischofes von Gozo zum diamantenen Thronjubiläum von Königin Victoria. Die Fremdenführerin wollte allen die Zitadelle zeigen, stellte aber zur Wahl, sich die Innenstadt alleine anzusehen und hinterher zum Treffpunkt auf den Hauptplatz zu kommen. Weil es etwas nieselte und die Straßen glitschig waren, schenkten wir uns die Zitadelle und gingen allein auf Besichtigungstour.

 

In den Altstadtgässchen kommen wir zur Pfarrkirche von Victoria, die barocke Basilika San Ġorġ.

Die Malereien an der Decke und in der Kuppel sind von Giovanni Battista Conti

Sie befindet sich südlich des Marktplatzes. Erbaut wurde sie zwischen 1672 und 1678, konnte aber erst 1755 geweiht werden, weil ein Erdbeben sie 1693 stark beschädigte. Die Fassade wurde 1818 neu verkleidet. Eigentlich hat man an der Vorderfront zwei Uhren. Die waren bei unserer Besichtigung entfernt. Obwohl ich gelesen habe, dass eine sowieso nur aufgemalt war. Das findet man in Malta sehr oft. Der Grund? Habe ich nachgelesen: „Die linke Uhr ist meist nur aufgemalt und dient dem Zweck, den Teufel zu verwirren, damit er nicht den Gottesdienst stört“.

Die Basilika ist typisch maltesisch, also sehr aufwendig geschmückt, weshalb sie auch als die Goldene Kirche bekannt ist.

Der Bronzebaldachin über dem weißen Marmoraltar ist eine Nachbildung des berühmten Bernini-Baldachins im Petersdom zu Rom.

Der prächtige Innenraum und die Säulen sind mit Marmor aus Italien verkleidet. Viele prächtige Gemälde und Statuen sind zu finden.

Diese Kirche wird zu Recht als die Marmorbasilika bezeichnet, da sie vollständig mit Marmor bedeckt ist. Der verbronzte und vergoldete Baldachin über dem Hauptaltar ist beeindruckend, aber die Hauptattraktion ist die hölzerne

Statue des Schutzheiligen St. George, die 1838 von Pawlu Azzopardi geschnitzt wurde.

Statue des Schutzheiligen St. George

Es war die erste Statue des Schutzheiligen, die von einer Pfarrkirche in Gozo erworben wurde (jetzt haben alle eine). Wer ist eigentlich der St. Georg?

Sein Name steht für Tapferkeit und Nächstenliebe, Ritterlichkeit und Höflichkeit. Am bekanntesten ist das Bild des Heiligen, wie er als Ritter auf einem Pferd sitzt und einen zunächst übermächtig erscheinenden Drachen bekämpft.

Bekannt ist, dass er um 280 in Kappadokien in der heutigen Türkei geboren wurde, in jungen Jahren das Waffenhandwerk lernte und Offizier im Dienst des römischen Kaisers Diokletian war, der vor allem Georgs Tapferkeit und Klugheit schätzte.

Als jedoch Anfang des dritten Jahrhunderts unter Diokletian erneut Christenverfolgungen einsetzten, blieb auch der Christ Georg nicht verschont.

Er wandte sich gegen die Diskriminierung der Christen daraufhin wurde er im Jahr 305 festgenommen, heftig gefoltert und schließlich enthauptet. Verehrt wurde er auch durch die Kreuzfahrer.

Seine Verehrung in Europa setzte etwa zur Zeit der Kreuzzüge ein, nachdem Ritter seinen Namen aus dem Orient in ihre europäische Heimat trugen.

Taufbecken

Georg wurde zum Schutzpatron der Kreuzfahrer Zu der Zeit entstand wohl auch die Drachen-Legende, die den Heiligen als Bezwinger des Bösen zeigen sollte.

Wenn man durch die Straßen schlendert, ist der Heilige Georg und die Heilige Familie allgegenwärtig. Außerdem fallen die schön aufgeräumten Gassen sofort ins Auge, das haben wir schon anders gesehen. Auch die Häuser sind sehr gut erhalten und teilweise mit Liebe zum Detail renoviert.

Das Zentrum von ir-Rabat bzw.Victoria, ist die Pjazza Indipendenza (Unabhängigkeitsplatz), auch als it-Tokk bekannt. Der Platz wird von der Banca Giuratale dominiert, die zwischen 1733 und 1738 erbaut wurde, früher der Sitz der Stadtregierung von Gozo und derzeit der Sitz des ir-Rabat (Victoria) Gemeinderates. Morgens ist hier ein Markt, der sich den Platz mit mehreren Straßencafés teilt.

Der Marktplatz ist am Fuße der Zitadelle auf der Pjazza Indipendenza. Hier steht ein Denkmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Gozo, die im britischen Heer eingesetzt waren. Auf dem Bild unten sehen Sie ein Denkmal von Saverio Cassar (1746-1805). Er war eigentlich Priester, doch im September 1798 rebellierten die Gozitaner gegen die französischen Besatzer. Sie riefen Cassar am 18. September 1798 zum Regierungschef der Insel aus. Darauf ergaben sich die Franzosen Ende Oktober den Briten und die gaben die Staatsgewalt über die Insel an Cassar, der bis 1801 regierte.

Und noch eine letzte Statue. Diesmal von George Preca (maltesisch Ġorġ Preca) (1880 -1962). Er war ein maltesischer Priester und Ordensgründer. Er wurde von Papst Johannes Paul II. am 9. Mai 2001 in Floriana, Malta, selig- und am 3. Juni 2007 von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen. Nun musste meine Frau noch ein wenig einkaufen. Komischerweise konnten nun die Beine auch wieder Treppensteigen, als ob nichts gewesen ist. Schon komisch.

Beim Einkaufen der Reisegeschenke für Bekannte und Verwandte immer Topfit

Danach noch schnell einen Kaffee und Kakao und dann war die Zeit auf Gozo auch rum. Wir fuhren zur Fähre, setzten nach Malta über und wurden von unseren Bussen wieder ins Hotel gebracht. Am nächsten Tag wollten wir dann die Große Hafenrundfahrt machen, die finden Sie unter diesem Link.

Aber auch die Links zu anderen Malta Seiten, die zu diesem Urlaub gehören möchte ich nicht vorenthalten. Zum einen finden Sie hier Valletta allgemein Teil 1 und hier Teil 2,oder aber Valletta in der Morgendämmerung aber die Vielzahl der sehenswerten Kirchen hätten die 2 Berichte dennoch erschlagen. Daher habe ich einige sehenswerte Kirchen noch einmal ausgelagert und zwar hier eine Übersicht wo Sie Links mit den Berichten der einzelnen Kirchen finden. Malta allgemein finden Sie dann hier.

 

 

 

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