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Herz-Jesu-Kirche

Herz-Jesu-Kirche

Die Herz-Jesu-Kirche war der erste Neubau einer römisch-katholischen Kirche nach der Reformation.

Der Osnabrücker Dom brauchte am Ende des 19. Jahrhunderts dringend eine Entlastung. Sie sollte zusätzlich auch als Garnisonskirche, also für das am Ort stationierte Militär dienen. Dafür stellte die Domschule Osnabrücks 1891 ein Grundstück am Herrenteichswall zur Verfügung.

Seitenansicht der Kirche zur Domschule hin

Einige Jahre wurde geplant und dann eine dreischiffige Kirche im Stil der Neugotik entworfen, die dann 1898 bis 1901 aus Ibbenbürener Sandstein gebaut wurde.

Der planende Dombaumeister war damals Alexander Behnes (1843-1924)

Blick zur Orgel und Taufkapelle

Die Herz-Jesu-Kirche wurde zwar bereits zum Deutschen Katholikentag im August 1901 genutzt. Richtig fertig war sie aber erst am 13.3.1902 als auch die Einsegnung erfolgte. Es wurde aber weiter ein wenig improvisiert, Im Oktober 1902 wurden drei Glocken installiert.

Zu der Zeit trugen die Türme noch sehr schlanke, hohe Turmhelme, die aber gegen Ende des  Krieges 1944 zerstört wurden. Einer fehlte vollständig, der andere war ausgebrannt. Ersetzt wurden sie 1954 durch die flachen Pyramidenhelme, die wir heute noch sehen.

1912 stattete man die Kirche mit einem Hochaltar des Bildhauers Seling aus, der im selben Jahr starb. Heinrich Seling wurde 1843 in Gesmold geboren, kam also aus dem Osnabrücker Land. Er studierte ab 1865 in Hannover und später in München. Seling fuhr nach Rom, um dort seine künstlerische Ausbildung zu vertiefen. Hier traf er auf den Bildhauer Wilhelm Achternmann, bei dem er zwei Jahre (von 1867-1868) in dessen Atelier arbeitete. Nach seiner Rückkehr aus Rom eröffnete er in Osnabrück ein Atelier.  In Rom begegnete er bedeutenden Personen, die ihm in Osnabrück dann die Möglichkeit gaben, sich zu entfalten. Er schuf von 1890 bis 1910 große Teile des Dominventars, so z.B. das Chorgestühl, den Hochaltar und den Bischofssitz, dann aber auch eine größere Anzahl von Altären im Bereich der gesamten Diözese.
Heinrich Seling war im späten 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der großen Bildhauer. Er starb 1912.

1921 ersetzte eine eigene Orgel die bisher gemietete. 1940 wurde diese Orgel erweitert.

Sobald man die Kirche betritt, zieht einen dieses Bild in seinen Bann.

Die drei Glocken von 1902 waren aber 1942 gleich wieder weg, weil Metall für den Zweiten Weltkrieg gesammelt wurde. Erst blieb die Kirche im Krieg noch unbeschädigt, aber beim großen Luftangriff im August 1942 geriet ein Glockenturm in Brand. Bei weiteren Angriffen im gleichen Jahr häuften sich die Schäden. 1944 wurden das Dach und der Innenraum beschädigt.

Der Hochaltar konnte noch gerettet werden und wurde in eine Kirche in Wallenhorst zwischengelagert. Zur teilweise wiederhergestellten Notkirche wurde „Herz-Jesu“ im Jahre 1948, der erste Gottesdienst war dann 1949.

Die spätgotische Kreuzigungsgruppe Evert van Rodens aus dem 16. Jahrhundert wurde 1990 in die Kirche gebracht. Sie befand sich bis dahin an der Gymnasialkirche. Ein Abguss ersetzt sie dort.

Der Altar wurde 1990 neu installiert.  Geschaffen vom Mülheimer Bildhauers Ernst Rasche. Er hat er die Kreuzigungsgruppe von Evert van Roden hinter sich.

Über ein Jahrzehnt dauerte es, bis alles wieder in Ordnung war. Nur einige Fakten: Herz Jesu Priester hielten Kollektenpredikten ab und sammelten so im ganzen Bistum Spenden für den Wiederaufbau der Kirche. Im Januar 1953 gründete man einen Kirchenbauverein und bereitete den Bau vor, indem man Mitte 1953 das Kirchenschiff von Trümmern entmüllte. Man wollte einen einfach gegliederten, reduzierten Hallenbau bauen, der noch existente Bereiche in den neuen Bau intergrierte.

Mutter Gottes

1954 wurde ein Opferaltar installiert und als Orgelersatz ein Pedalharmonium.

Außerdem wurden die Dächer der Türme 1954 in der heutigen niedrigen Pyramidenform erneuert.

Mehr durfte nicht sein, weil die Kirche ja eine „Filiale“ des Doms war und der auch schlichte Hauben bekam. Schließlich darf Fritzchen nicht besser aussehen, als Fritz. Kleine Anekdote noch am Rand: Ein früherer Stürmer vom VFL Osnabrück Hansi Alpert war seinerzeit dafür für das Eindecken der Türme mit verantwortlich, arbeitete er doch für den Klempnermeister, der den Auftrag für die Hauben bekam.

Sechs holzgeschnitzte Altartafeln aus dem 1912 geschaffenen Hochaltar von Heinrich Seling (1843–1912)

Das muss schon eine sehr kitzlige Angelegenheit in der Höhe gewesen sein.

Richtfest feierte man dann am 20.10.1954, während dann im Dezember 1955 die erneute Weihe erfolgte.

Die Tafeln hatten sich lange Zeit auf der Orgelempore befunden

Die neue Orgel kam aber erst 1960 und ein neuer Kreuzweg 1962 zusammen mit einer neu geschaffenen Marienstatue. Eine Sanierung erfolgte zwischen 1980 und 1983.

1989 wurde dann eine völlige Neugestaltung vorgenommen. Man änderte auch den Eingangsbereich, wahrscheinlich um bei schlechtem Wetter nicht die Kälte ungehindert in die Kirche zu bekommen.

Ein neues Taufbecken, einen Altar und einen Priestersitz im Altarraum war vonnöten.

Die sechs Holztafeln des früheren Flügelaltars wurden restauriert und vorn bei den Seitenschiffen angebracht. Die Tafeln zeigen Stationen aus dem Leben Jesu. Auch die Holzdecke musste durch eine Stahlkonstruktion ersetzt werden. Die Kirche wurde dann kurz vor Weihnachten 1990 neu eröffnet. Die Kreienbrink-Orgel von 1960 musste wegen Schadstoffen dann noch im Jahr 1991 gegen eine gebrauchte Sauer-Orgel ausgetauscht werden.

Die Tafeln zeigen die Stationen des Lebens, Sterbens und der Auferstehung Jesu sowie Benedikt von Nursia, Suitbert, Elisabeth Anna Bayley Seton, Wiho I. auf dieser Tafel.

2002 feierte die Gemeinde das 200-jährige Bestehen der Kirche. Einige Veranstaltungen des 97. Deutschen Katholikentages fanden 2008 auch in der Herz-Jesu-Kirche statt.

Eine besondere Aktion war sicherlich auch Donnerstag der 10.3.2016. An diesem Tag lud Bischof Franz-Josef Bode Obdachlose und Bedürftige zum Fastenmal ein. Es wurden Tische gedeckt und Kirchenbänke umgestellt. Die Aktion war etwas Besonderes. Leider kamen aber viel weniger Gäste, als vorher erwartet. Den ganzen Artikel können Sie unter diesem Link auf katholisch.de lesen.

Adventsgesteck zum Zeitpunkt als ich die Fotos aufnahm.

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