Schultze mit tz

Kirche St. Marien

Marienkirche oder St. Marien

Ausblick auf St. Marien, wenn man vom Dom kommt

Bereits im Jahre 800 soll sich an der Stelle ein hölzernes Gotteshaus befunden haben. Das hat man aus Grabfunden gedeutet, die an diesem Ort gemacht wurden. Eine Saalkirche ist von 1173 mit dem Namen „Unserer Lieben Frau“ nachzuweisen, obwohl man auch glaubt, eine kleinere Saalkirche könnte hier auch bereits im 10. Jahrhundert gestanden haben. Und zwar brauchte man diese Kirche, weil durchreisende Kaufleute und andere fremdstämmige Bewohner nicht das Recht hatte auf dem Friedhof der Domburg bestattet zu werden. Außerdem hängt das wohl auch mit der Verleihung der Stadtrechte durch Kaiser Friedrich Barbarossa Ende des 12. Jahrhunderts zusammen. Man hatte nun eine sesshafte Gemeinschaft von Handwerkern und Kaufleuten und brauchte dadurch eine Bürgerkirche.

Brautportal von St. Marien

Nachdem die Kirche 1173 entstanden war, baute man sie 1300 zu der gotischen Kirche mit dreischiffigem Langhaus um, die wir heute kennen. Die Bürger zahlten den Umbau bzw. Ausbau sogar aus einem eigenen Opferstock. Auch diese Kirche wurde über Jahrhunderte immer mehr erweitert. Anfang des 15. Jahrhunderts kamen z.B. Chor und Chorgewölbe hinzu. Im 18. Jahrhundert bekam der Kirchturm eine neue Haube, die so aussah wie heute. Im zweiten Weltkrieg, am 13. September 1944, brannte die Kirche genau wie das Rathaus fast völlig aus. Doch gleich nach dem Kriege begann der Wiederaufbau.

Bei der Außenansicht sehen Sie vier gotische Fenster auf jeder Seite und jeweils vier Giebel, auf denen Figuren aus Sandstein stehen. Je zwei Portale sind an der Nord- und Südseite.

Brautportal

Ornament über der Tür des Brautportals von St. Marien

Eines der Portale auf der Südseite ist das Brautportal. Im Bogen des Brautportals, ist die Marienkrönung dargestellt. Rechts davon stehen die törichten Frauen, links davon die klugen Jungfrauen. Ob sich wohl die Bräute beim Einzug in die Kirche fragen, zu welcher Sorte sie gehören?

Allerdings können Sie außen nur die Nachbildungen der Jungfrauen aus den Jahren 1873 bis 1884 sehen, die Originale sind in der Kirche.

Die klugen werden angeführt von der

Die 5 klugen Jungfrauen

„Synagoge“, die törichten von der „Ecclesia“. Die beiden sind Symbol für den neuen und alten Bund. Eigentlich geht es aber um ein Gleichnis, das Jesus erzählte und das im Matthäus Evangelium so geschrieben steht:

Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.

Die 5 törichten Jungfrauen

Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug.

Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl,
die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.
Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein.
Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!
Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht.
Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus.
Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht.
Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen.
Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf!
Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.
Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Eine schöne Lösung für Gläubige eine Kerze für einen lieben Menschen oder einen eigenen Wunsch anzuzünden. Man kann sein Licht in die Weltkugel stellen, ein Gebet sprechen und um etwas bitten, oder danken. Man ist symbolisch Teil der Welt, aber nicht ihr Mittelpunkt. Die Spende für die Kerze geht an Brot für die Welt.

Was sollen uns die Jungfrauen nun aber sagen? Ich habe eine recht schlüssige Erklärung gefunden:

Die 5 törichten Jungfrauen stehen für Menschen die zwar ein religiöses Leben führen, an verschiedene Götter, höhere Wesen oder einfach nur an die eigene Kraft glauben.

Die klugen Jungfrauen sind Menschen, die an Jesus Christus glauben. Durch die Vergebung ihrer Sünden durch Jesus Christus wurde ihr Leben (also ihre Lampen) durch Glauben gefüllt.

Wenn Jesus Christus irgendwann auf die Erde zurück kommt, holt er alle Menschen, die ihre Lampen mit Glauben gefüllt haben zu sich in den Himmel. Die verschlossen Tür ist ein Synonym dafür, dass es schon Menschen geben wird, die bis zu dem Zeitpunkt nicht an Jesus Christus glauben werden und für die es dann zu spät für eine Umkehr ist.

Gott wird zu solchen Menschen sagen, dass er sie nicht kennt, weil sie nicht an ihn und seinen Sohn Jesus Christus geglaubt haben.

Hauptaltar

Diese Art Antwerpener Altäre fanden während des 16. Jahrhunderts in Norddeutschland enorme Verbreitung. Die Inschrift der Altarplatte lautet: +HOCALTARE SUIS EXPENSIS EDIFICARUNT + HERMAN ET ELISABETH OPUS ACCEPTABILE XPO+, was soviel heißt wie: „Diesen Altar bauten auf ihre Kosten Hermann und Elisabeth, nimm diese Werk an, Herr Christ“ Die Platte gehörte wahrscheinlich schon zu einem älteren Altar aus dem Jahre 1324.

Fenster über dem Altar

 

 

 

 

Der Altar ist aus mehreren Epochen. Der aus Sandstein gemauerte Altarblock mit Altarplatte wurde zu dem Zeitpunkt errichtet, als die gotische Kirche gebaut wurde. Circa um 1510 bis 1520 entstand in Antwerpen der sehr aufwändig geschnitzte Hauptaltar, der auf 12 bemalten Tafeln Szenen aus dem Leben und der Leidensgeschichte Jesus Christus zeigt.

Altar und Kreuz

In den 6 unteren Nischen werden von links nach rechts die Verkündigung (Erzengel Gabriel bei Maria), die Heimsuchung (Maria bei Elisabeth), die Geburt (im Stall zu Bethlehem), die Anbetung (durch die Heiligen Drei Könige), die Beschneidung Jesu und die Darstellung im Tempel (Simeon und die Prophetin Anna) gezeigt. Darüber in 3 Bildern die Kreuztragung (Nachdem Pilatus Jesus zum Tode verurteilte wird Simon von Cyrene von den römischen Soldaten gezwungen, dem völlig erschöpften Jesus zu helfen, das Kreuz nach Golgatha zu schleppen), Kreuzigung (Jesus am Kreuz und Johannes und zwei Frauen helfen der bewusstlosen Maria, während Soldaten dem Treiben zusehen) und Kreuzabnahme (und Grablegung Jesu. Ein Mann hat ihm die Dornenkrone abgenommen, eine Frau kommt mit einem Salbgefäß).  Dazu kommen 12 Gemälde. Auf der Vorderseite oben links Jesus mit Dornenkrone und Purpurmantel und oben rechts die Auferstehung von den Toten. Vorn unten dann Jesus im Garten Gethsemani, Jesus Gefangennahme, Christi Himmelfahrt und die Herabkunft des heiligen Geistes.

Die Bilder der Rückseite sind dann nur vom Chorumgang zu sehen und zeigen Szenen vor der Leidensgeschichte. Oben links der Abschied Jesu von Lazarus, Maria und Martha und rechts trennen sich Jünger von Jesus. Im unteren Bereich dann Judass den Verräter, Das letzte Abendmahl, Jesu Einzug in Jerusalem und die Salbung Jesu durch Maria in Bethanien.

Die Figuren sind fast alle erhalten geblieben, weil sie im Krieg ausgebaut wurden und genau wie die Gemälde sicher verwahrt wurden.

Triumphkreuz

Zu den ältesten Ausstattungsstücken zählt das Triumphkreuz (Ende 13. Jh.) im Chorgewölbe.. Dargestellt ist der dornengekrönte Körper Christus. Später wurde es teilweise ergänzt mit den vier Evangelisten-Symbolen (Johannes, Lukas, Matthäus, Markus) an den Kreuzenden. Wenn man sich Jesu am Kreuz ansieht, erkennt man, dass er für eine Kreuzigung unnatürlich am Kreuz hängt. Die fast waagerechten Arme deuten nicht auf Erschöpfung und Tod hin, sondern auf den Triumph über den Tod, also die Auferstehung.

Weitere erhaltene Ausstattungen

Das aus Sandstein im Jahre 1560 angefertigte Taufbecken enthält Elemente aus Gotik und Renaissance. Am Fuß sind Löwen zu sehen, die das Osnabrücker Wappen schleppen.

Maria auf der Mondsichel

Bereits aus dem Jahr 1520 ist die Strahlenmadonna auf der Mondsichel.

Sie stammt noch aus der „katholischen Zeit“ der Marienkirche und wurde nach der Reformation zwar etwas zur Seite gehängt, doch nie aus der Kirche entfernt, obwohl Maria selten in evangelischen Kirchen dargestellt ist. Wer die Marienfigur anfertigte ist nicht bekannt, es wird nur immer „die Werkstatt des Meisters von Osnabrück“ genannt.

Relativ neu dagegen ist die Kanzel. Sie ist aus dem Jahr 1964 vom Bildhauer Heinz Heiber. Die Orgel wurde erst im Jahr 1967 gebaut und musste bereits 1998 umfassend restauriert werden.

Die Orgel von St. Marien wurde 1967 von der niederländischen Orgelbaufirma Flentrop erbaut

Wenn man St. Marien von außen sieht, kommt man nicht auf den Gedanken, es könne eine evangelische Kirche sein. Doch das hat mit der Reformation zu tun. Es gab in Osnabrück damals vier mittelalterliche Kirchen. Der Dom und die Pfarrkirche St. Johann blieben katholisch, St. Marien und St. Katharinen wurden 1543 evangelisch.

Epitaphien

Die Epitaphien an den Wänden des Chorumgangs, von denen Sie ein paar auf der rechten Bildleiste sehen, stammen aus der frühen Neuzeit. Sie sind von Osnabrückern, die sich in Erinnerung halten wollten und auch das Geld hatten, sich neben der eigentlichen Grabstätte eine zweite Gedenktafel zu kaufen.

Die Epitaphien entsprechen dem Wunsch, sich nach dem Tode in der Nähe von Jesus Christus zu befinden.

 

Wenn Sie eine gute Aussicht lieben, sollten Sie sich die 190 Stufen antun, die auf den 79 Meter hohen Kirchturm führen. Damit ist der Turm höher, als die beiden des Doms. Früher war es wichtig einen möglichst hohen Kirchturm zu haben, zeigte der doch den Reichtum der Gemeinde.

Der Turm kann meist sonntags zwischen 11.30 und 13.00 bestiegen werden. Sie haben einen weiten Überblick über die ganze Osnabrücker Innenstadt mit allen Kirchtürmen.

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